Seitenarchiv

I sailed the caribbean! And all I got was… not even a lousy T-Shirt!

Mittwoch, 9. Dezember 2009 7:00

Panama Kolumbien  I sailed the caribbean! And all I got was… not even a lousy T Shirt!

Da uns DAS große Grenzabenteuer Zentralamerikas, der Darién Gap, der Grenzübergang auf dem Landweg von Panama nach Kolumbien via mehrtägigem Dschungeltrekking durch straßen- und namenloses von Drogenbaronen, Schmugglern und Guerilleros bewohntes Niemandsland viel zu heikel und der Flug wiederum viel zu schnöde war, haben wir schon vor einiger Zeit beschlossen den Seeweg zu nehmen. Eine gute Entscheidung. Diese Segeltrips von Panama nach Kolumbien und vice versa sind der Hammer! Wer auch immer  die Chance hat dies zu tun, sollte dies auf keinen Fall verpassen. Wichtig hierbei ist, ein wenig Zeit vorneweg in Panama City bzw. Cartagena mitzubringen und sich das Boot gut auszusuchen. Vom großen Schoner über schnelle Katamarane und klassische Segler von 20 bis 80 Fuß ist einiges dabei. Die tatsächlichen Variationen sind jedoch recht dual: Entweder viel Komfort oder viel Segelspass. Wir haben uns für letzteres entschieden – mehr dazu später.
Zunächst zum Ablauf. Fast alle Kapitäne, die vor haben diese Strecke zu fahren, geben den größeren Hostels ihren Terminplan an und wie viel Leute sie mitnehmen möchten. Die Kosten liegen bei ca. 300-380US$ plus 25US$ Vermittlungsgebühr für das Hostel. Meist hat das Hostel auch Informationen wie Größe, Ausstattung und Erfahrungsberichte Anderer zum jeweiligen Schiff vorliegen. Im Hostel meldet man sich also für das Schiff seiner Wahl an und hofft das zum angegebenen Zeitpunkt der Kahn voll ist, sonst ist Warten angesagt. Läuft alles wie geplant geht es morgens um fünf mit einem Jeep los (25US$). Quer durch’s Land, hoch in den Nord-Osten, in die autonome Kuna Yala Region (6US$ Admission Fee). Dort geht es mit einem Kuna Boot weiter bis zur Flussmündung in denen die letzten San Blás Ausläufer liegen. Die Kunas sind der Ureinwohnerstamm mit der größten politischen Autonomie in Lateinamerika. Mit eigenem ökonomischen Mikrosystem, eigener Sprache und quasi-Rechtssystem. Seit etwa zwei Jahrhunderten leben sie ständig im Osten Panamas. Zu ihrem selbst ververwalteten Gebiet zählt auch das Urlaubsparadies San Blás, das eine Inselarchipel von 400 Inseln entlang Panamas Karibikküste umfasst, von denen nur 40 Inseln mit insgesamt 32.000 Kunas bewohnt sind. Hier trifft man auf Boot, Kapitän und Rest-“Mannschaft“ um zunächst einige Tage auf wechselnden Inseln zu verbringen. Es wird nach Herzenslust getrunken, vom aller Feinsten gegessen was das Meer und die Kunas zu bieten haben (z.B. 7 Hummer für 12US$ und 3 Bier), geschwommen, gesonnt, geschillt und geschnorchelt, gesoffen und auf dem Boot geschlafen. Wer konzentriertes Robinson Crusoe Feeling in der Karibik ohne Touristenflut sucht wird genau hier fündig, wenn man mit den hygienischen Bedingungen klar kommt. Die Inseln sind allesamt picture perfect. Teilweise gerade groß genug für ein Haus und 5 Palmen mit puder-weißem Sandstrand umgeben und umspült von türkis bis dunkelgrünem warmen karibischem Meer. Sie lassen sich haeufig komplett mieten - Bacardi Party anyone? Sandbänke, Korallenriffe laden weiterhin zum entdecken und verweilen ein. Ja sogar surfen kann man hier und da bei guter Brandung. Das große Thema hier ist jedoch stets Fischen. Des nächtens gab es kleinere Ausflüge mit dem Paddelboot zum Strand und zu anderen Booten. Alles in allem sehr sehr cool!
Nach dem der Papierkram mit dem Passport erledigt war wurde es ernst. Der Kapitän entscheidet id.R. wann es los geht Richtung Hochsee und Kolumbien, was bei uns nach etwa zweieinhalb Tagen geschah. Noch einmal ausgiebig und gut speisen mit anschließender großer Lagebesprechung und  dem Vermitteln der Hochseeregeln deuten an, was uns die nächsten guten 50 Stunden bevor steht. Hier ein kleiner Auszug: Es wird non stop gesegelt, Trinkwasser ist von nun an Gold gleich im Wert und darf nicht für Händewaschen und der gleichen benutzt werden, einen Schluck für das Zähneputzen – höchstens. Eine Dusche gab es ohnehin nicht an Bord. Alle Sachen bitte so packen und fest zurren, dass man möglichst nicht mehr groß an das Gepäck muss. Am besten einfach die Klamotten nicht mehr wechseln. Wer Seekrank wird hat Pech gehabt und sollte sich einen Platz am Bug suchen um dort zu verweilen – den Kopf bitte außerhalb des Bootes. Jeder muss mit anpacken, auch die Frauen. Wenn mal „geschrien“ wird, dann ist das nie böse gemeint… Ich konnte es kaum erwarten!
Der Punkt ist, wenn man so richtig schön schräg angeluvt im Wind liegend, bei sieben und ein wenig mehr Knoten - mehr war wind- und/oder seegangsbedingt nicht möglich - die Möglichkeit hat das Steuer zu übernehmen und durch die Wellen zu schneiden… Und ich meine richtig übernehmen für laaaange Stunden, ohne Motor, alle Mann unter Deck schlafend oder stöhnend gerne auch fluchend, nur du, der Capitan und das GPS, ihr gebt Vollgas Panama Kolumbien  I sailed the caribbean! And all I got was… not even a lousy T Shirt! Das war einfach ganz großes Wimbeldon-Tennis. Wer hier Spanisch beherrschte - unser Capitan war Kolumbianer unter der Flagge Pannamas - war klar im Vorteil. Das 1×1 des Segelns im praxisnahen Intensivkurs war dann im Preis inklusive. Für mich eine der Erfahrungen die ich auf jeden Fall wiederholen muss. Zwar hatte ich die letzten 24 Stunden einen fürchterlichen Schmerz im Nacken (dazu nächste Woche im Cartagena Artikel mehr), aber mit so viel Adrenalin im Blut war das auch nicht mehr wichtig. Nach ca. 48 Stunden hatten wir nach einem schlimmen Sturm jedenfalls ziemlich fertig aber sicher den Hafen Cartagenas erreicht. Einen Eintrag für’s Log Buch: Langfristiges neues Lebensziel - ich will ein eigenes Segelboot!

Einige Bilder dieses Ausflugs folgen in den nächsten Tagen. Auf hoher See war das mit dem Knipsen allerdings nicht mehr möglich Panama Kolumbien  I sailed the caribbean! And all I got was… not even a lousy T Shirt!

  • Panama Kolumbien  I sailed the caribbean! And all I got was… not even a lousy T Shirt!

Thema: Unterwegs | Kommentare (0) | Autor: Ahmed