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Vietnam – Abschließende Eindrücke und Auswürfe

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Zusammenfassung:

Vietnam kann ich persönlich jedem uneingeschränkt weiter empfehlen, der mindesten drei der vier folgende Sätze ohne langes nachdenken bejahen kann:

  • Eigeninitiative empfinde ich nicht mühevoll und stressig sondern als identitäts- und sinnstiftend
  • Der Begriff „Qualität” ist für mich situationsbedingt und muss differenziert benutzt werden
  • Wenn ich Preise nicht in Frage stelle und ggf. nachverhandle zahle ich eindeutig zu viel
  • Stress der mich nicht betrifft und Lärm anderer Menschen kann ich nach kurzer Zeit einfach ausblenden

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Vietnam ist ein Land der Gegensätze. In nahezu allen Belangen. Tradition trifft auf Moderne, Sozialismus auf Marktwirtschaft, Bambushütten auf Hochtechnologie, alt auf jung, arm auf reich. Das Spannungsfeld was sich hierbei jeweils auftut, scheint im Zeitraffer durchschritten zu werden. Als hätten die Vietnamesen die Gabe, sich mit allen Hindernissen irgendwie besonders schnell arrangieren zu können. Vietnam ist dem entsprechend eine aufstrebende Nation (ca. 85 Mio. Einwohner) mit einem unglaublichen Bevölkerungswachstum, das Durchschnittsalter im Mekong Gebiet beträgt beispielsweise gerade mal 26 Jahre. Und das liegt nicht daran das dort früh gestorben wird (Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall), sondern einzig an der Vermehrungsfreudigkeit der Einwohner.

Es hat jedoch den Anschein das Vietnam über keine sogenannte Mittelschicht verfügt. Die meisten Menschen bewegen sich zwischen sehr arm und arm. Einige wenige zwischen reich und sehr reich. Ein eindeutiges Zeichen lässt sich diesbezüglich in den Metropolen Hanoi oder Saigon beobachten. Zwischen den endlosen Massen an Mofas und Fahrrädern, die das typische Straßenbild prägen, entdeckt man immer wieder von Vietnamesen gefahrene luxuriöse Statussymbole wie Porsche Cayenne, Mercedes AMG, BMW X6 oder gar einen Lamborghini. Ich weiß nicht wie die sehr reichen zu dem gekommen sind was sie heute besitzen. Nahe liegend sind Mobilfunk, Textilien für den Westen, Karaoke Zubehör und Tourismus. Oder aber das Erbe des sich in Auflösung befindlichen politischen Regimes. Die Länder in denen der Sozialismus mehr oder weniger nur noch auf dem Papier (Zeitungen) existiert, scheinen jedenfalls alle an den gleichen „Symptomen” zu leiden: Turbokapitalismus für einige, Hungertuch für die Masse - aber immerhin mit der theoretischen Option auch mal viel Geld verdienen zu können…

Bildung gibt es bis zu einem Grundniveau gratis, alles weiter kostet jedoch viel Geld, sodass für die meisten Vietnamesen ein Abitur oder eine Hochschule unerreichbar ist. Ähnliches gilt bei der Gesundheitsfürsorge. Gute Zähne und ein für unserer Augen „schönes” Lächeln, sind in Vietnam eher selten. Trotz dieser Widrigkeiten scheinen sie den augenscheinlich „reichen” Touristen nicht zu verachten, oder gar zu hassen (bis auf einige Bergdörfer im Norden). Tourismus wird, um ihn anzukurbeln (zu kontrollieren?), sogar staatlich gefördert.

In der Mentalität lässt sich durch die jüngere Geschichte bedingt ein gewisses Nord-Süd Gefälle bemerken. Sind die Menschen im Norden noch reservierter so begegnet man einem im Süden etwas herzlicher, jedoch auch verstärkt mit dem Hintergedanken das sich nicht etwas Geld aus dem Touristen herausschlagen lassen könnte. Jegliche Preise verdoppeln sich sofort, sobald man der Sprache nicht mächtig ist.

Die Jugend in Vietnam ist hungrig nach Technologien wie dem Internet und seinen (Spiele)Möglichkeiten. Mobile Kommunikation in all ihren Ausprägungen mit modernstem Equipment noch in den entlegensten Gegenden des Landes lassen einige westliche Länder „alt” aussehen. Wer einen Job hat, hat ein fanzy Handy und zuhause neben dem TV eine Karaokemachine - bei einer Arbeitslosenquote von ca. 2%. Funk-Technologie ist in Vietnam zweifelsohne bereits jetzt das Rückgrat der Kommunikation. Allerdings blieb dem Land auch wenig anderes übrig, denn für weitere Kabel ist einfach kein Platz mehr. Bereits jetzt sind die Städte mit einem Netz aus zigtausend Kilometer Freiluftkabel geschmückt, deren Zuverlässigkeit nicht die höchste sein dürfte.

Zurück zur Tradition, die für viele junge Vietnamesen ebenfalls sehr wichtig ist. Heiraten und Kinder bekommen ist nach wie vor das große Ziel und ein absolut erfüllender Lebensinhalt. Dabei ist es der Mann der für sämtliche Kosten und den Unterhalt der Freundin aufkommen muss - bis die  beiden verheiratet sind. Ich weiß nicht genau was danach (außer erfolgreichem Kinder machen) hinter verschlossenen Türen passiert, auffällig war für mich jedoch, dass die vietnamesischen Frauen allesamt ausgesprochen geschäftstüchtig waren. Sie machen die Preise und führen die Verhandlungen während sich die Männer weitestgehend zurückhielten. Ein junger Mann in Hanoi, hat einmal Martina Geld zurückgegeben, das sie ihm zu viel gegeben hatte weil sie ihn beim Preis erfragen falsch verstanden hat. Darauf hin wurden wir Zeuge einer für diesen armen Kerl wahrscheinlich sehr unangenehmen Beschimpfung durch die Frau des Nachbarstandes. Die einzige Männerdomäne scheint alles rund um den Verbrennungsmotor zu sein. Machinenbau, -bedienung und -wartung, hier und bei der Personenbeförderung dürfen sich die Männer die Finger schmutzig machen. Möchte man sich jedoch ein Mofa ausleihen, kommt man wiederum nicht an der Frau des Hauses vorbei.

Apropos Verhandlungen. Mir war nicht klar was der sehr weit verbreitete und recht paradoxe Spruch „same same - but different” zu bedeuten hat, der es auf T-Shirts getragen mittlerweile einmal um die Welt geschafft haben dürfte. „Same same” ist DER Standartspruch in einer Verhandlung, der ausdrücken soll, dass die Leistung (Transport, Zimmer, Essen, Ausstattung , Kondition jeglicher Couleur,…) die man gerade erfragt das gleiche beinhaltet wie das Angebot das man von einem anderen Anbieter hat, bzw. das man sich ad hoc ausgedacht hat, um eine Wettbewerber vorzutäuschen weil der erste Preis unrealistisch ist. Fakt ist: Es war niemals „same”. Nie! Egal wie vertrauenerweckend die Person schien die nicht müde wurde „same same” zu wiederholen.Die erworbene Leistung war für uns stets „different” als vorher ausgemacht - leider im negativen Sinne und somit ein Enttäuschung. Da man den  „same same” Situationen jedoch nicht entkommen kann wenn man einmal das Verhandlungsgebaren und den fantasievollen „ersten Preis” der Vietnamesen (der  übrigens definitiv ebenfalls ein „different” Ergebnis zur Folge hätte) durchschaut hat, blieb uns nichts weiter übrig als die ganze „same same” Gepflogenheit mit Humor und Ironie zu sehen. Ich denke das ist generell eine gute Reaktion auf ein Paradoxie. So erklärt sich wahrscheinlich auch der Erfolg des T-Shirts „same same - but different” das hier in Vietnam häufiger bei Touristen zu sehen war. Sie scheinen unmissverständlich signalisieren zu wollen „same same - schon klar, mach halt einen realistischen Preis und gut is”.

Nun zum Essen. Das Essen in Vietnam ist fantastisch. Weniger würzig und scharf als in Thailand aber intensiver am Gaumen als in Japan, haben viele Speisen einen sehr feinen und trotzdem wohl differenzierten Geschmack. Die Basis stellt fast immer Reis und Gemüse dar. Reis, Reisnudeln, Reissuppe, Reispapier, Reis…Schleim(?) - gekocht, gebraten, geröstet oder umgedreht. Dazu kommen Sojabohnen, Pfefferminzblätter, Spinatblätter, kleine Salatblätter, Kohl und ggf. noch weiteres Gemüse, das wir jedoch nicht identifizieren konnten. Dazu gibt es verschieden Saucen. Chilli süß sauer, Squid-Souce (fischig süß) mit oder ohne Knoblauch, Sojasauce und der gleichen. Für die meisten Vietnamesen bleibt es dann auch dabei, da Fleisch Luxus ist den man eben nicht jeden Tag hat. Eventuell ein Ei dazu, aber häufiger kommt Tofu zum Einsatz, den man mit entsprechenden Saucen zu echtem Soulfood (wie z.B. Spare Ribs - kein Fleisch drann, aber viel Geschmack drumherum) aufwerten kann. Wenn es Fleisch gibt so wird es in der Regel gegrillt, gebraten oder in der „besseren” Ausführung paniert. Vom  geschlachteten Tier wird so ziemlich alles verwendet. So kann man auf Märkten Stände finden, die das Verkaufen was bei uns in Deutschland bestenfalls als Hundefutter Verwendung findet. Im Zweifelsfall auch selbigen Hund. Ich finde das persönlich weder verwerflich noch anstößig. Tatsächlich empfinde ich die Doppelmoral mit der viele westliche Touristen auf das vietnamesische Fleischangebot reagieren und das lauthals, teils aggressiv,  den Einheimischen verkünden verwerflich und anstößig. Ich erinnere mich da an eine Australierin, fett wie 5 Vietnamesen… Rind, Schwein, Fisch, Huhn, Ente in Unmengen in sich rein schaufelnd… aber als ihr ein vietnamesischer Bub zeigen wollte wo es Hund zu kaufen gibt… ich nehme an, er dachte sich in einem durchaus logischen Schluss, dass das Monsterweib liebend gerne auch noch viel  Hund essen würde Vietnam Reisebericht  Vietnam – Abschließende Eindrücke und Auswürfe

Nun, wir jedenfalls haben fast ausschließlich an der Straße gegessen und getrunken. Obst, Fleisch, Gemüse, alle Sorten von Beilagen. Es war ausnahmslos alles sehr lecker. Wir haben einfach das bestellt was gut gerochen und ausgesehen hat. Je mehr Einheimische dort gegessen haben umso größer war das Bedürfnis es ihnen gleichzutun. Wir wussten zwar nicht immer genau was es war (gerade bei den panierten Dingen) aber wir leben noch, sind wohl genährt und hatten keine einzige Magenverstimmung oder ähnliches. Die Prämisse die wir uns gesetzt haben war: Nicht viel fragen, sondern mindestens einmal ein wenig probieren.

Neben der kulinarischen (Reis)Vielfalt ist mir vor allem die geografische Vielfalt sehr positiv in Erinnerung geblieben Von Bergwandern, über Dschungeltouren bis Sandstrand unter Palmen hat Vietnam sicher für jeden Geschmack und die damit verbunden Ansprüchen etwas zu bieten. Ich denke das die Bilder des Blogs zum Thema Vietnam diesbezüglich recht aussagekräftig sind. Auch Fauna und Flora bietet für gute Beobachter täglich faszinierende Entdeckungen. Für Photographen ein Schlaraffenland! Mir hat die Zeit in Vietnam ausgesprochen gut gefallen und ich bin dankbar für das was ich hier erleben durfte. Ich bin außerdem froh genau zu diesem Zeitpunkt hier gewesen zu sein, wo Pauschalreisen noch die absolute Ausnahme sind. Ich denke, dass dieses Land schon in 10 Jahren (unter Berücksichtigung des Tempos in dem hier Dinge passieren eher 5 Jahre) kaum wieder zuerkennen sein wird. Speziell um die UNESCO „zertifizierten” Sehenswürdigkeiten wird der Massentourismus und die geradezu dramatische Umweltverschmutzung das zerstören, was man heute noch als liebenswert erleben kann.

Die Kosten für drei mit Aktivität voll gepackte Wochen beliefen sich pro Nase auf ca.600€ (ohne Flug). Dazu sei gesagt, dass wir bewusst nicht die günstigsten Alternativen bzgl. der Hotel/Hostel Zimmer gewählt haben.Wer hier zu weiteren Kompromissen bereit ist (und evtl. nicht so viel Bier und Cola  trinkt wie wir) kommt ohne weiteres mit weit unter 500€ zurecht.

  • Vietnam Reisebericht  Vietnam – Abschließende Eindrücke und Auswürfe
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Autor: Ahmed
Datum: Dienstag, 24. Februar 2009 5:20
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4 Kommentare

  1. 1

    Hallo Ahmed, hallo Martina,
    ich freue mich wieder neue Berichte und Eindrücke von Euch zu lessen:), ich habe dadurch viel über Thailand und Vietnam gelernt ( bisher hat mich nicht ineressiert)leider.. auch die pics sind Atemberaubend schön!!!
    Bitte macht soweiter und berliefert uns mit neue Erlebnisse und Abenteur;))! Dadurch reisen wir mit Euch mit:):0)<3<3
    Passt auf euch auf, Gott beschütze Euch!!
    Liebe Grüße
    Layla

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  2. 2

    hallo, ihr zwei weltenbummler,

    hat der tag in vietnam oder kambodscha mehr als 24 stunden? es ist mir fast unbegreiflich bei einer eigens gestalteten tour noch so viel interessante berichte und wunderschöne fotos zu erstellen und weiterzuleiten, danke!!!

    ich denke täglich an euch….

    deine mama

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  3. 3

    hey ahmed du alter “laberback”
    deinen eintrag zu lesen hat mich gerade x minuten gekostet. naja du hast 3 wochen gebraucht um alles zu sehen ^^ wie dem auch sei. ich wünsch euch im nächsten land viel spaß bin schon gespannt was mich auf der ersten seite des blogs noch alles erwartet. habe heute den großen aufholtag :P

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    Ahmed Reply:

    Hey! Das war schon die gekürzte Version! :-p

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