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Abschließende Eindrücke und Auswürfe - Costa Ricas Karibik

Costa Rica Cahuita  Abschließende Eindrücke und Auswürfe   Costa Ricas Karibik

Ich glaube ich bin gestorben und im Paradies – oder so ähnlich – erwacht.
So anders und in so vielen Fällen tatsächlich paradiesisch ist es hier in Cahuita, Costa Rica. Generell, und zu jedem Zeitpunkt ist z.B. die Luft hier erfüllt von einem sehr wohlklingenden Klangteppich. Meeresrauschen, Grillenzirpen, Froschgesänge und Gecko-Rufe, dass Rascheln in den Kronen der Palmen und Mandelbäume, hier und da Hundegebell oder Donnergrollen, leise auch mal live performte Reggaerhythmen aus dem „Cocos“… Das alles vereint sich hier nach Sonnenuntergang zu einer Kulisse von der man nicht Genug bekommen kann.
Im laufe des Tages wird man alle 3 Minuten daran erinnert das man hier bzgl. der Fauna an einem besonderen Ort ist. Schon früh morgens hört man die Brüllaffen. Ich weiß nun nicht ob das Brüllen der Brüllaffen zum Allgemeinwissen gehört. Sicher hat das Internet und Google eine Kostprobe davon. Es handelt sich um einen höchst befremdlichen Laut, mit einer sensationell animalischen Inbrunst vorgetragen.
Die Morgensonne ist der beste Zeitpunkt um Vögel an zu treffen. Es hat z.B. seine kleine aber ganz besondere Schönheit morgens bei dem aus dem Haus gehen, manchmal schon vom vom Balkon aus, spätestens aber im Garten einen Colibri begrüßen zu dürfen, der sich an großen roten und tatsächlich süß schmeckenden Blüten bedient. Wer sich die Zeit nehmen möchte, legt sich nochmal kurz in die Hängematte, lauscht und beobachtet. Es ist erstaunlich was sich schon im 5 Meter Radius um das Haus alles abspielt. So hatten wir z.B. von unserer Wohnung aus auf Augenhöhe, ein Faultier oder einen Tukan in einem Baum. Selbstverständlich gibt es hier auch zahlreiche „nicht so schöne“ Tiere wie flinke Schlangen, giftige Skorpione, Geier und verschiedene Handteller große Insekten. Ameisen überall, zahlreich und in allen Größen. Isoliert gesehen fast Angst einflößend, im Kontext jedoch stets wunderbares Detail.
Das Wetter hier lässt sich mit zwei Worten recht gut beschreiben. „Immer T-Shirt“. Je nach Jahreszeit ändert sich maßgeblich nur die Niederschlagsmenge und damit die Luftfeuchtigkeit. Fantastische Bedingungen für zahlreiche tropische Pflanzen, darunter viele essbare Früchte tragende. Zum Beispiel könnte ich jetzt einfach raus gehen und mir eine Kokosnuss von der Palme schneiden, mit dem Wasser meinen Durst stillen und ihr zartes und mild aromatisches Fleisch genießen. Nicht das ich das ständig tun würde, aber die Option zu haben ist klasse, zumal sich mit Kokosnuss hervorragend kochen lässt. Bananen - sowohl Plantagen, als auch wilde. So zahlreich das die hier Einheimischen ihrer überdrüssig sind. Ananas, Papaya, Melone und natürlich Zitrusfrüchte, aus der Region sind hier für wenig Geld zu bekommen. Das Gemüse kommt aus den unmittelbar an die Küste angrenzenden, kühleren Gebirgshängen und ist ebenfalls sehr gut und günstig.
Apropos Geld, wie bereits in früheren Einträgen beschrieben ist Costa Rica richtig teuer.  Beschäftigt man sich jedoch mit den Möglichkeiten der längerfristigen Alltagsorganisation, ist es durchaus Möglich mit 5-10 US$ täglich eine tolle Zeit zu verbringen. Inklusive guter Küche, „Residenz mit Meerblick“ und zahlreicher Aktivitäten im Nationalpark oder den sagenhaft schönen Karibikstränden. Alles in allem recht angenehme Rahmenbedingungen die vielen Menschen jeglicher Herkunft zusagen. Zum einen gibt es hier stets Touristen aus aller Welt, zum Anderen steht Costa Ricas Karibik Küste auf der amerikanischen „Retiree list of nice places to be“ weit oben. Dies sorgt dafür das Cahuitas Bewohner stets eine bunte englischsprachige Mischung an Menschen, Erfahrungen und Geschichten darstellen, die  einen schneller zu vereinnahmen vermag als einem lieb ist.
Cahuita ist trotz seiner geringen Größe, bzw. gerade deswegen, beseelt von interessanten, bewundernswerten aber auch zahlreichen tragischen Einzelschicksalen. Omnipräsent sind die „gefallenen Existenzen“, die einen Großteil des Tages damit verbringen, Touristen und Einheimische anzuschnorren.. Zum einen die Menschen die meist vorbelastet hier her gekommen und den vielfältig vorhandenen Drogen verfallen sind. Zum Anderen die einheimischen meist schwarzen Bewohner, die den gleichen Weg gegangen sind. Aber auch Helden des Alltags, ihr „Ding“ durchziehende Einwanderer, ewige Surfer. Außerdem Häuser ohne Besitzer, die Panama Lady, Roberto 1, 2 und 3, den stillen Strippenzieher, die alten Fischer Sippen und einen großen Boss. Hier lebt man nicht einfach so - anonym. Gute 2 Monate waren wir Teil einer karibischen Lindenstraße bei der die Cohen Brüder Regie führten. Dazu muss gesagt werden das hier Dinge passieren, die man nicht verstehen kann (soll). Es ist folglich besser die berühmte drei Affen Einstellung zu trainieren und bei Notwendigkeit zu leben. Die eigentliche Schwierigkeit ist dann noch zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt für diese so gar nicht mit unserer erlernten Grundeinstellung zusammenpassenden Maßnahme ist. Das muss man üben. Ich würde das mal das Süd-Amerika „Paradigma“ nennen „Das Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis, wobei die Praxis den Stellenwert des Primat inne hat“ - um’s mal ganz komliziert und hochgestochen auszudrücken Costa Rica Cahuita  Abschließende Eindrücke und Auswürfe   Costa Ricas Karibik
Moralische Dilemma, überall.  Hier gibt es z.B. eine Polizei. Diese ist maßgeblich damit beschäftigt den Strand nach Drogenpäckchen und auffälligen Personen abzusuchen. Das Gebiet hier um Lemon ist quasi Durchgangsstraße für den Drogen Schmuggel. Das finden eines Koka Päckchens und private Verhökern ist wie ein Lottogewinn für den Finder. Die Polizei wird hier alle 6 Monate ausgewechselt. Korruption ist an der Tagesordnung in allen Ausprägungen und Schichten der staatlichen Organe. Unter diesen Umständen wird bei uns, währen wir selig schlafen, eingebrochen. Martinas Tasche mit Pass, zwei Kreditkarten, Travellercheques, ca. 500 US$, ein Holzring, meine schmutzigen T-Shirts, meine Hose und Kappe werden gestohlen. Kammeras, Labtop, Handy, meine Papiere bleiben unberührt obwohl sie teilweise offen herumliegen. Nach dem man die Polizei eingeschaltet hat und einem klar wurde, dass aus den oben genannten Gründen exakt nichts passieren wird zumal es sich juristisch um eine Lapalie handelte, kommt nun ein Freund und fragt ob er uns helfen soll. Uns war klar das diese Hilfe nichts mit der Polizei zu tun haben wird. Aber wir konnten jede Hilfe gebrauchen, ein neuer Pass und eine Kreditkarte kosten z.Z. gute 200 US$ (unglaublich aber wahr), er versprach uns das diese Dinge wieder auftauchen würden. Einen Tag später findet die „Polizei“ Martinas Pass, die Karten, den Ring, meine Hose und Mütze in Martinas Tasche am Strand. Einen weiteren Tag später findet sich der „Täter“ mit verhältnismäßig übertriebenen Schnittverletzungen im Krankenhaus. Unser Vertrauen ins Umfeld ließ sich darauf hin erst mal gar nicht mehr finden. Doch solche Dinge geschehen hier mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit und verändern den Alltag nur unwesentlich. Unser Nachbar, ein mit uns hier angekommener Amerikaner, der unter anderem über 20 Jahre in Berlin gelebt hat und nun hier nach einem Grundstück für den Lebensabend mit Frau suchte, hat sein Ziel hier nach einem Monat zunächst auf Eis gelegt. Ich halte das für ein wenig übertrieben. Im Grunde könnte man hier ungestört leben würde einfach auf die Zurschaustellung von Wertgegenständen verzichten werden. Und das ist hier ein leichte Übung. Kein Mensch braucht hier „unsere“ Geld implizierenden Statussymbole, auch wir nicht, selbst der Dieb hat sie nicht mitgenommen. Und zu akzeptieren das Zentralamerika nicht explizit auf einen persönlich gewartet hat um ein „besserer“ Platz zu werden, sollte ebenfalls eine leichte Übung sein. Im Gegenteil, mit unseren Maßstäben hier zu agieren macht einen nicht nur zur Zielscheibe der offensichtlich Kriminellen, sondern auch der einheimischen Bevölkerung und den offiziellen Stellen – gar nicht mal so ungefährlich.
Nun, wie passt das in unser Paradies? Genauso wie die Ameisen. Isoliert gesehen gar nicht, aber gut im Gesamtbild. Vor allem im Kontext das die hiesigen moralischen Irrungen, Wirrungen und Verbindungen nicht nur im kriminellen Sinne zu Tage treten sondern eben auch positiv bei positiv belegten Gegebenheiten wie dem Hausbau, einer Existenz- oder Schul- bzw. Bildungszentrumsgründung wirken. Die „Heiligt der Zweck die Mittel“-Frage wird einfach mal ganz praxisnah mit dem Süd-Amerika Paradigma weg ignoriert, moralisch kann man sich ein wenig damit entlasten das man das Limit seines Handlungsspielraums erreicht hatte. Unserer Begeisterung für den Ort Cahuita, Costa Rica hat diese Episode jedenfalls nicht nachhaltig beschädigt. Machen wir uns nix vor, dass war bestenfalls ein Vorgeschmack auf die Länder die wir noch auf diesem Kontinent besuchen werden. Bleibt zu sagen das Costa Ricas definitiv eines der Länder ist, in denen man ein wenig mehr Zeit verbringen sollte. Gut bezahlte Arbeit (Knowledge Worker) lässt sich leider nur in San Jose finden.

Nun denn, das nächste mal wenn wir uns hier treffen, sind wir bereits in Panama.
Hasta luego!

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Autor: Ahmed
Datum: Freitag, 20. November 2009 7:00
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2 Kommentare

  1. 1

    Hola Ahmed y Martina, al leer este comentario, me llena la nostalgia de saber que ustedes no fueron sólo estudiantes, pero grandes amigos y personas a las que admiro, respeto y por qué no, quiero mucho.

    Espero verles pronto de vuelta por Cahuita.
    José

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    Ahmed Reply:

    Hola José,
    también nos gusta pensar en el tiempo que pasamos en Costa Rica. Sobre todo los días con usted y Francisco, en la escuela ICARI español. Definitivamente, queremos volver otra vez, pero parece, que tomará un largo tiempo.
    Estamos actualmente en Colombia, y muy entusiasmados con la diversidad. Después del largo tiempo en el Caribe parece que todo es nuevo y diferente. Lo que todavía se pierda su gran cocina. Tenías razón con lo que han dicho sobre Panamá :-)
    Nuestro dominio del idioma español se han convertido en no mucho mejor, pero con lo que hemos aprendido con ustedes, que ya se llevan muy bien. En un apuro, de hecho hay también escribir para el traductor de Google ;-)

    Hasta pronto y muchos saludos a Francisco

    ¿Todavía conseguir más respuesta a su nuevo sitio web?

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