Weltreise, Blog, Reiseberichte, Reisefotos, Berichte, Fotos

Tikal

Um dem zentralamerikanischen Tempelkoller zu entgehen, haben wir beschlossen mit Tikal die zunächst letzte Maya Stätte anzusehen. Tikal ist groß, sehr groß. Eine ehemalige, mitten im tiefsten Dschungel gelegene Maya Großstadt die in ihre expansivsten Zeit, etwa zur Mitte des 6. Jahrhunderts, auf 30km² um die 100.000 Einwohner beherbergt haben dürfte. Zu sehen bekommt man das Zentrum,  16km² Fläche, auf dem man bisher über 4000 Strukturen gezählt hat. Rekonstruiert wurden im wesentlichen verschiedene Tempel, an denen der Dschungel hier und da erneut gelichtet und abgetragen wurde. Um die bis dato wesentlichen Bauten zu sehen sind locker 10km Fußweg zu gehen. Der frühe Morgen eignet sich dafür am besten, da es dann noch nicht so heiß ist, und der typische Regen meist erst zum Nachmittag einsetzt.
Tikal ist vielfach archäologisch bearbeitet worden, inklusive Satelliten gestützter Kameras verschiedenster Spektren. Wenn man Tikal besucht, sollte man idealer Weise auch ein Karte dabei haben, die diese aufgearbeiteten Informationen in einer guten Darstellung wiedergibt. Das Zentrum wurde damals zu Tikal Zeiten (mit Straßen und großen Plätzen) versiegelt und nahezu waldfrei gehalten und muss rein „stadt-technisch“ ein grandioser Anblick gewesen sein. Da  heutzutage aber der Dschungel Tikal wieder vereinnahmt hat, durch Baumwurzeln zersetzt, aber  auch vor Erosion schützt und quasi konserviert, fällt es jedenfalls schwer sich nur anhand von überwucherten Hügeln, ohne weitere Hilfe das damalige Stadtbild zu vergegenwärtigen. Mit anderen Worten, ein Aufenthalt dort ohne Ahnung, ohne Karte oder Guide könnte ggf. enttäuschend bis frustrierend sein - wenn man nicht gerade Paläontologe ist und wegen der hiesigen Vogelvielfalt diesem Ort einen Besuch abstattet.

Gut restauriert sind, wie gesagt, verschiedene Tempelanlagen die hier eine Zeit lang (späte klassische Periode, um 700 AD, zu Zeiten von Ah Cacau, dem „Schokoladenkönig“) nach dem Muster des Kreuzes der vier Himmelsrichtungen aufgebaut sind. Auf einer Achse, zwei  meistens massiven Pyramiden mit kleinen Zeremonie-Kammern oben drauf und Opferaltare davor. Auf der anderen Achse das Haus des bzw. der Heiligen zur einen Seite, einen Friedhof der Könige/Heiligen zur anderen.
Konzeptionell steht dem die verlorene Welt, el Mundo Perdido gegenüber, die wahrscheinlich älteste Tempel-Anlage von Tikal. Einige Strukturen werden auf 700 BC datiert, die aber bis in die späte klassische Periode hindurch erneuert und erweitert wurde. Hier kann man schön die die typischen x-fachen Lagen der Tempelerneuerung und -erweiterungen sehen – wie Baumringe. Die Mundo Perdito hatte offensichtliche über zig Generationen hinweg eine große Bedeutung. Und tatsächlich, sie birgt quasi eine gigantische Sonnenuhr die die Jahreszeiten anzeigt. Eine Kaskade von Tempeln und die zentrale große Pyramide sind z.B. so ausgerichtet, dass sie anzeigen welche der 3 Haupt Nahrungspflanzen (u.a. Mais und Bohnen) zu gegebener Zeit anzubauen sind.

Maya Guatemala  Tikal

Allerdings muss man dafür auf der großen Pyramide stehen. Nur Könige/Heilige/Götter durften auf die Pyramide! Hoch und runter zu gehen war auch damals schon anstrengen, und gefährlich. Ich glaube es gibt jedoch keine Überlieferung, die darauf hindeutet das ein König durch einen Treppensturz starb Maya Guatemala  Tikal Na ja, da standen sie dann,  rauchten ihr eigenes Kraut und machten ein wenig Show. Wohl genährte und groß gewachsene Könige/Heilige/Götter, mit ihrem durch im Säuglingsalter angebrachte physische und psychische Kopfzwingen deformierten Plattschädel und mit kiloweise Schmuck behangen. So erzählten sie also dem klein gewachsenen, absolut ahnungslosen Volk mit hinreichend gottgleicher Genauigkeit wann was auf dem Feld geht… Wie immer war es nur eine ganz kleine „Führungs-Elite“ die das heute so bewunderte astronomische Wissen der Mayas kannte, es mit Architektur verband und sicher auch als Orakel aber garantiert als Machtinstrument gegenüber der ahnungslosen Masse nutzte. Um sich wiederum  eine noch gewaltigere und ausgefeiltere Architektur zu leisten. Der reguläre Maya, war entweder Landwirt oder Bauarbeiter. Weitaus weniger waren Krieger und nur eine handvoll war mit elitärem Wissen gebildet.

Warum eigentlich „verlorene Welt“? Ist doch heute heute immer noch so, wenn man  die Tempel durch Banken, Nahrung durch Geld und die Sonnenbeobachtung durch Medienkontrolle ersetzt.
Also irgendwie so ähnlich, ne? Wir sind jetzt jedenfalls erstmal durch mit Maya Tempeln Maya Guatemala  Tikal


  • Maya Guatemala  Tikal
Tags » , «

Autor: Ahmed
Datum: Dienstag, 8. September 2009 8:00
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Motiv Serien

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben