Beitrags-Archiv für die Kategory 'Unterwegs'

Peru ist und bleibt einfach abenteuerlich – Notstand am Machu Picchu!

Freitag, 29. Januar 2010 7:05

Während wir hier unsere Tour zum Machu Picchu planten, im ständigen Kontakt mit unseren vor-Ort „Korrespondenten“ Nicole und Phil (Hier geht’s zu ihrem Blog), kamen immer mehr Zweifel ob Machu Picchu zu diesem Zeitpunkt (Regenzeit) ein gute Idee sei.
Und ZACK, schon einen Tag später berichtet der Spiegel online: Tausende Urlauber sitzen am Machu Picchu fest „Die schwersten Regengüsse seit 15 Jahren haben für Überschwemmungen im Süden Perus gesorgt. Tausende Urlauber sitzen in der Nähe der Inkastadt Machu Picchu fest, Rettungshubschrauber sind im Einsatz - die Regierung rief für die Region den Notstand aus.“
Und tags drauf: Touristen müssen in Bahnwaggons übernachten „Stromausfälle, defekte Geldautomaten, Übernachtungen in Bahnwaggons: Nach den schweren Überschwemmungen müssen Peru-Touristen in Aguas Calientes weiterhin unter schwierigen Bedingungen ausharren. Auch Deutsche sitzen in der Nähe von Machu Picchu fest.“
Keine Ahnung warum der Spiegel „Übernachten in einem Bahnwaggon“ jetzt für eine sonderlich große Herausforderung hält, die eine Schlagzeile Wert ist. Einzige sinnvolle Erklärung: relativieren. Unsere deutsche Presse bringt leider bezüglich Peru (und so vielen anderen Ländern der Welt) stets nur emotional aufgebauschte Krisen, Katastrophen und Kriegs Meldungen aus x-ter Hand hervor. Was wir hier in den Medien sehen und von Menschen hören ist zwar auch sehr leidvoll, vor allem für die Einheimischen die ihre Häuser und alles Hab und Gut verloren haben, aber weitaus weniger katastrophal als es es sich im Spiegel liest. Vor allem und zu aller erst sind hier Touristen „gerettet“ worden, was bezüglich der offen ausgelebt zwei Klassen Menschen Einordnung noch ein Nachspiel haben dürfte. Vielfältige Hilfsmaßnahmen sind eingeleitet worden, keiner muss verhungern oder verdursten, schon gar nicht Touristen. Die Straßen, Schienen und Brücken sind unpassierbar oder weg gespült, aber die Luftbrücke steht. Sollte das Wetter nicht extrem stürmisch werden, wird alles gut. Ich denke für die meisten Touristen ist das bisher einfach nur ein großes Abenteuer das die Urlaubsplanung gehörig durcheinander bringt und darüber hinaus noch Einblicke in Standards des komfortlosen Backpackerurlaubs gewährt. Richtig gefährlich könnte es jedoch für die Leute werden, die trotz der gefährlichen Wetterlage vor einigen Tagen aufgebrochen sind, um auf den berühmten Inka Trail zu wandern. Zwei sind tragischerweise bei einem Erdrutsch ums Leben gekommen. Man vermutet, trotz offizieller Sperrung, weitere auf dem Trail. Von ihnen weiß man leider bisher nichts weiteres.

Nun, was heißt das für uns? Eigentlich nur, dass wir Machu Picchu nach hinten verschoben haben. Da der Wiederaufbau der arg zerstörten Infrastruktur wohl viel Zeit in Anspruch nehmen wird, werden wir in den nächsten zehn Tagen erst Zwischenstopp im Resreva Nacional de Paracas, den Islas Ballestas, den Ebenen von Nazca, der wunderschönen Stadt Areqipa, dem Cañon del Colca und natürlich beim Titikaka See einlegen. Da es bis dahin eher unwahrscheinlich ist, das wir schon in die Notstandsregion gelangen, werden wir ggf. zwei weitere Wochen Bolivien einlegen, bevor wir wieder nach Peru zurückkommen, um dann endlich Machu Picchu zu sehen und danach, Ende Februar, nach Chile weiter zu reisen.

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Thema: Unterwegs | Kommentare (3) | Autor: Ahmed

Clases de Español in Huaraz

Donnerstag, 28. Januar 2010 21:51

Peru Ancash  Clases de Español in Huaraz

Nuestra residencia que hemos elegido después del nuestro accidente, fue para tener todas  posibilidades sin buscar. Tuvimos una habitacion muy bonita (con 2 camas grandes y un escritorio), una maravillosa terraza para poder relajarnos (con vistas a las montañas cubiertas de nieve y con mucho sol), incluidos el servicio de desayuno, agencia de viajes (en la casa) y la posibilidad (una vez más) a tomar clases de español.

Y hemos hecho! Si no puede hacer otra cosa que dormir mucho, leer número de infinitos libros, navegar por el Internet - por qué no (si viajará por América del sur de un trimestere más) debería  (una vez más) mejorar un poco nuestro español!

Así hemos contactado la profesora de español de nuestro hostal y hemos acordado una reunión inicial. 2 horas al día debería ser suficiente para conversar mucho y para eliminar nuestros peores errores gramaticales.

La primera impresión de nuestra profesora de español “Ethel” fue muy positiva! Una joven mujer peruana de Huaraz, que es muy agradable, abierto y flexible y nos ha dado mucho información sobre su país y las tradiciones de las indígenas. Ella lo ha logrado especialmente que hemos hablado enteros 2 horas con ella sin darnos cuenta que el tiempo había pasado hace mucho tiempo.

Pero tambien nuestro “sujeto favorito gramatical”: el Subjentivo, se ha repetido con nosotros. Ahora es nuestra tarea usarlo bien con éxito… Pero dudamos que esté un problema Peru Ancash  Clases de Español in Huaraz

Las clases de las 2 semanas han pasado muy rápidamente y nos han forzado (con una forma muy positiva) a conversar mucho sobre todos los temas posibles, que sin duda nos ayudará en nuestro viaje mucho más!

Cualquier persona que (como nosotros) quiere tomar buenas clases de español en Huaraz, puede contactar Ethel directamente (por correo electrónico): ethelcarballido@gmail.com

Querida Ethel,
te damos gracias por tu clase interesante, divertido y muy informativo. Te deseamos para tu viaje a Holanda, todo lo mejor y muchos momentos interesantes! Díganos si su sitio en el internet está listo, entonces podemos vincular la a nuestro blog! Nunca olvida su marketing Peru Ancash  Clases de Español in Huaraz
Muchos recuerdos
Martina y Ahmed

Deutsche Version:

Unseren Aufenthaltsort nach dem Unfall haben wir so ausgewählt, dass wir in unserer Unterkunft alle Möglichkeiten vor Ort haben. So hatten wir ein sehr schönes, großes Zimmer (mit 2 riesigen Betten und Schreibtisch), eine wunderbare Dachterrasse (um mit Blick auf die Schneeberge in der Sonne relaxen können), Frühstücksservice inklusive, ein Reisebüro (in-house) sowie die Möglichkeit mal wieder Spanischstunden zu nehmen.

Das haben wir auch genutzt… Denn wenn man nichts machen kann außer den ganzen Tag schlafen, lesen, im Internet surfen - warum sollte man dann (wenn man noch ein viertel Jahr Südamerika bereisen wird) nicht auch mal wieder sein Spanisch wieder ein bißchen verbessern!

Also haben wir die Lehrerin unseres Hostals kontaktiert und ein erstes Treffen vereinbart. 2 Stunden am Tag sollten reichen, um sowohl viel zu kommunizieren als auch unsere schlimmsten Grammatikfehler auszumerzen.

Der erste Eindruck von unserer Spanisch Lehrerin Ethel war sehr positiv. Ein junge Peruanerin aus Huaraz, die sehr nett, offen und flexibel ist und uns sehr viele Informationen und Traditionen über ihr Land sowie deren Leute verraten hat. Sie hat es vor allen Dingen geschafft, dass wir uns an manchen Tagen die ganze Zeit mit ihr unterhalten haben ohne zu bemerken, dass unsere 2 Stunden schon lange überschritten waren. Aber auch unser Lieblingsgrammatikthema: den Subjentivo, hat sie mit uns wiederholt. Jetzt geht es nur darum ihn auch erfolgreich einzusetzen Peru Ancash  Clases de Español in Huaraz

Die 2 Wochen Unterricht sind sehr schnell vergangen und haben uns (auf sehr positive Art und Weise) gezwungen lange Unterhaltungen über alle möglichen Themen zu führen, was uns sicherlich auf unserer weiteren Reise sehr weiter helfen wird!

Wer genauso wie wir Lust hat in Huaraz Spanischstunden zu nehmen, der kann Ethel per mail direkt kontaktieren: ethelcarballido@gmail.com

Liebe Ethel,

wir danken Dir für Deinen interessanten, lustigen und sehr informativen Unterricht und wünschen Dir für Deine Reise nach Holland alles Gute und eine tolle, interessante Zeit! Lasse uns wissen, wenn Deine Homepage fertig ist, dann können wir sie gerne mit unserem Blog verlinken! Vergesse nie das Marketing Peru Ancash  Clases de Español in Huaraz
Viele Grüße
Martina & Ahmed

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Thema: Alltag, Unterwegs | Kommentare (0) | Autor: Martina

Baños termales de Chanco - oder der “Versuch” in den Cuevas zu relaxen

Mittwoch, 27. Januar 2010 14:09

Für den Sonntag hatten wir uns vorgenommen einen relaxten Tag in den thermalen Bädern von Chancos zu verbringen.

Hier hat man verschiedene Möglichkeiten, den Tag zu verbringen:

  1. baden in der öffentlichen Thermalquelle (ist wie ein Schwimmbad, nur von der Fläche her ziemlich klein)
  2. baden in den privaten Thermalquellen (d.h. man bekommt quasi eine private Badewanne in einem separatem Raum für max. 2 Personen)
  3. relaxen in den thermalen Cuevas

Was wir vor unserem Besuch leider nicht wußten:

  • dass die thermalen Bäder eher wie eine Kläranlage, als eine zum relaxen einladende Landschaft aussehen (bei unserer Ankunft haben wir sie ersteinmal gesucht, bevor der Taxifahrer meinte, sie lägen direkt vor uns)
  • dass Sonntags scheinbar die halbe Region auf den Beinen ist, um Chancos zu besuchen
  • dass die max. Aufenthaltsdauer in einer Cueva  15-20 Minuten beträgt (und man nach Ablauf sofort vom nächten wartenden “rausgeklopft” wird)
  • dass die Cuevas nur “privado” zu benutzen sind (was die Wartezeiten explodieren läßt)
  • dass in den 9 verschiedenen Cuevas “nur” Temperaturen zwischen 35°bis 54°C herrschen (wenn man allerdings Saunen mit 90°C liebt, dann kann das fast schon nicht gut werden)
  • dass man sich nach jedem zeitlich limitierten Besuch wieder komplett anzieht, um vor der nächsten “Attraktion” zu warten (von relaxen ist hier keine Spur)
  • dass man Freiluft in einer Schlange vor jeder einzelnen Cueva warten muss, bis man rein darf (dass kann auf Dauer ziemlich kalt werden)
  • dass die wartenden Menschen ihre Haustiere, Familien und Freunde mitbringen, Picnic machen und Stierkämpfe mi Fernsehen schauen (das, also das Essen und die Haustiere, ist zum einen ziemlich unhygienisch und zum anderen fühlt man sich wie auf einer großen Fiesta, statt wie in der Sauna)
  • dass den ganzen Tag ein Blasorchester in einer immensen Lautstärke die gleiche dramatische Musik spielt (da war mir fast das Gamelanorchester auf Bali lieber und das hat auf Dauer schon echt agressiv gemacht)

Diese ganzen Punkte haben jedenfalls letztendlich dazu geführt, dass wir uns ersteinmal frohen Mutes in die Warteschlange der “heißesten” Höhle mit 54°C gesetzt haben. Nach 2 stündigem Warten allerdings (wir waren nicht wirklich in Eingangsnähe vorgedrungen) - sind wir dann auf eine Höhle mit einer wesentlich kleineren Warteschlange umgeswitcht sind (ich denke ich brauche nicht zu erwähnen, dass dieses die kälteste war!) um nach 3 Stunden Wartezeit endlich halb erfroren für 15 Minuten in eine 35° Cueva hüpfen zu dürfen…
Im Vorraum der Höhle schlug uns erstmal eine heftige, urinale Duftwolke entgegen und die hygienischen Bedingen haben uns nur mit  Widerwillen unsere Klamotten ausziehen lassen. In der Cueva dann aber warteten wir erwartungsvoll auf den Wärmeschub, den wir so dringend nötig gehabt hätten - aber irgendwie wollte sich dieser auch nach Ahmeds gutgemeinten Handtuch-Wedel-Versuchen nicht einstellen. So blieb uns wenigstens, die dunkle Höhle noch ein bißchen zu erforschen (eigentlich darf man die Sitzbank nicht verlassen), bis wir dann auch schon unsanft und durch lautes Klopfen, von der nächsten, wartenden, peruanischen Familie zum Aufbruch gedrängt wurden.
Das Duschen haben wir uns gespart, da Wasser gerade nicht verfügbar war und das mit dem Schwitzen auch nur bedingt funktioniert hat. Den Besuch einer weiteren Cueva oder auch den thermalen Quellen haben wir uns ebenfalls verkniffen, da es draußen schon dunkel geworden ist und wir ja noch den Heimweg antreten mußten.
So ist unser  Relaxtag doch etwas anders ausgegangen als geplant, wir durften dafür die einheimischen Gepflogenheiten und Bräuche miterleben – ABER nichts desto trotz freuen wir uns nach unserer Rückkehr tierisch auf eine “echte” Sauna wie wir sie aus Deutschland kennen.

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Thema: Motiv Serien, Unterwegs | Kommentare (5) | Autor: Martina

Huaraz am Fuße der Cordillera Blanca

Sonntag, 17. Januar 2010 7:00

Bei der Wahl unseres Genesungsortes haben die Berge das Rennen gemacht. Der Gedanke schwitzend mit Gips am Strand zu sitzen, ohne Option sich im Meer abzukühlen aber stets Sommer-Sonne-Strand-Preise zahlend, hat uns nicht nicht wirklich gefallen.
Da sind wir nun auf etwa 3100m Höhe, an der höchsten Gebirgskette des amerikanischen Kontinents, der Cordillera Blanca. Mit ihren vergletscherten über 50 zählenden Fünf- und auch Sechstausendern ein wahrhaft majestätischer Anblick, den wir von der Dachterrasse unserer schmucken Herberge in Huaraz zu genüge genießen. Hier gibt es TV, Bücher und Internet. Ich habe mir zahlreiche Computerspiele besorgt Peru Ancash  Huaraz am Fuße der Cordillera Blanca und außerdem haben wir einen weiteren Spanischkurs belegt. Im großen und ganzen geht es uns bereits viel besser, die Bewegungsfreiheit kommt Stück für Stück wieder und wir planen sogar die nächsten Tage einen kleinen Ausflug (mit dem Auto, dann nur eine Stunde laufen) zu einer nahe gelegenen Lagune zu machen.
Vielen Dank für die Genesungswünsche, sie haben offensichtlich gewirkt. Einzig die Fahrten mit den ganzen Bus fahrenden Möchtegern Michael Schuhmachers machen uns noch emotional zu schaffen. Da es sich hier aber schlecht anders fortbewegen lässt werden wir uns damit abfinden müssen. Zumindest meiden wir jetzt Nachtfahrten wo es geht.

  • Peru Ancash  Huaraz am Fuße der Cordillera Blanca

Thema: Unterwegs | Kommentare (6) | Autor: Ahmed

Unser verhängnisvoller „Rutsch“ in das neue Jahr

Mittwoch, 13. Januar 2010 14:30

So gerne wir auf dieses Erlebnis verzichtet hätten, so häufig kommt es in Südamerika vor – gerade und mit besonders hohen Opferzahlen in Peru: der verunglückte Reisebus. Keine Sorge, wir leben offensichtlich noch! Aber eins nach dem anderen…
Es begab sich zum 5. Januar, dass wir die Grenze Ecuador-Peru hinter uns bringen wollten. Wie 95% der typischen Süd-Amerika Reisenden taten wir dies mit dem Bus über die Panamerikana. Da die Gesamtdauer der Fahrt (Guayaquil/Ecuador nach Trujillo/Peru) ca.18 Stunden beträgt und dem entsprechend zu einem großen Teil über Nacht stattfindet, haben wir uns „der Sicherheit halber“ für den teuersten Anbieter entschieden. In der Regel verfügen diese Busse über einen zweiten Fahrer, mehr Komfort, eine „Stewardess“ die Mahlzeiten und Getränke reicht, einfach bessere Busse (Volvo, Mercedes), GPS Kontrolle etc. pp. - so saßen wir dann guter Dinge in einem Doppeldecker Bus, oben rechts, vorletzte Reihe, ich am Fenster.
Nun, am Morgen des 6. Januars um ca. 3:20Uhr morgens, 1,5 Stunden vor Ankunft am Zielort, 15 Minuten vor dem geplanten Fahrerwechsel in Chiclayo mitten in der hiesigen typischen küstennahen Wüste (zum Glück nicht in den Anden!) ist es dann passiert. Der Fahrer verlor die Kontrolle. Laut seiner Version hat ihn ein anderes Fahrzeug geschnitten!? Ich war jedoch zu dem Zeitpunkt wach, da war kein anderes Fahrzeug. Wir verließen einfach in einer links Kurve mit viel zu hoher Geschwindigkeit die Fahrbahn und holperten für einige Sekunden durch den mit größeren Steinen durchsetzten Sand. Dies wiederum weckte wahrscheinlich den Fahrer der reflexartig den dümmsten Zug machte den typischerweise Leute machen die gerade fahrend aus einem Sekundenschlaf aufgewacht sind und feststellen das sie von der Fahrbahn abgekommen sind. Nach meinem Empfinden wurde schlagartig das Steuer nach links gerissen, um wieder auf die Fahrbahn zu gelangen. Bei der Vorwärts-Geschwindigkeit, der Höhe des Busses und dem Untergrund wusste ich schon Sekunden bevor es geschah was nun folgen würde – was mich evtl. auch vor schlimmeren Verletzungen bewahrte. Die Räder „verkanteten“, der Bus wurde mit all der Kraft der Vorwärts-Bewegung auf die rechte Seite geworfen, um sich zu überschlagen. Motorradfahrer nennen das „Highsider“, maximaler Schaden für Mensch und Material. Das Überschlagen wurde jedoch wiederum durch das hohe Dach verhindert, das sich jedoch beim Aufprall auf dem Boden mit einem mächtigen Knall („explodierende“ Fenster) einen guten Meter nach links verschob und so alle Sitze und Menschen im Obergeschoss auf der rechten Fensterseite dem mit Geröll und Glassplittern übersäten Wüstenoden exponierte - über den sich der Bus noch kurz mit der verbleibenden Energie schob. Während dieses wahrscheinlich nur 2 Sekunden dauernden Vorganges, stemmte ich mich mit aller Kraft nach links um meinen Kopf vom Boden weg zu halten, „fing“ dabei mit Kopf und Handgelenk Martina ab, die (schlafend) vom Sitz neben mir ebenfalls voll Richtung Fenster geschleudert wurde. Als sich nichts mehr rührte kroch ich Stammhirn gesteurt schnell durch den wegen nicht vorhandener Fenster und verschobenen Dach entstandenen Spalt nach Außen. Martina wurde quasi im Sand stehend wach, kletterte ebenfalls aus dem Spalt und stand auch im Freien. Nach einem kurzem Schockmoment den wir gemeinsam im Sand saßen, glücklich und scherzend dies noch tun zu können, realisierten wir mit den zunehmenden verzweifelten und schmerzvollen Schreien anderer Insassen aus dem Bus heraus das Ausmaß dessen was gerade passiert war. Auch meldeten sich nach dem Schock schon sehr schnell unsere Gliedmaßen mit Schmerz und wollten verpflegt werden. Hierzu weiter unten mehr.

Der Rest, ist wie man so schön sagt, Geschichte. Und kann dem unteren Zeitungsartikel entnommen werden. Leider nur spanisch. Kurzversion in Deutsch: Über 20 Verletzte bei Busunglück, keine Toten, einer Frau musste die Hand amputiert werden, größtenteils Ausländer, wurden sofort in umliegende Krankenhäuser verteilt, Fahrer musste anderem Auto ausweichen, viel Bild Zeitungs Blahblah… Namen (S.3 linke Spalte unten bei den Verletzten) haben sie auch nicht richtig auf die Reihe bekommen.

Peru Ecuador Bus  Unser verhängnisvoller „Rutsch“ in das neue JahrPeru Ecuador Bus  Unser verhängnisvoller „Rutsch“ in das neue JahrPeru Ecuador Bus  Unser verhängnisvoller „Rutsch“ in das neue JahrPeru Ecuador Bus  Unser verhängnisvoller „Rutsch“ in das neue JahrPeru Ecuador Bus  Unser verhängnisvoller „Rutsch“ in das neue Jahr

Nichts vom übermüdeten Fahrer oder der mangelnden Notfallversorgung. Die Kommentare der peruanischen Leser hier nennen das Kind schon eher beim Namen.

Nochmal zurück zum Unfallort. Wir hatten zwar Schmerzen hier und da, waren aber sicher das nichts dramatisches mit uns passiert war (Prellungen, maximal Brüche aber keine inneren Verletzungen). Im Bus saß unter anderem ein Feuerwehrmann der erste Hilfe Maßnahmen bei einigen Mitfahrern vollzog. Auch waren schnell zwei Polizisten da, die geholfen haben. Nach dreißig Minuten kam dann der erste Krankenwagen, ein Privater, der richtig teuer bezahlt werden muss, aber trotzdem schon bald mit Notfällen belegt war. Nach weiteren zwanzig Minuten kam der offizielle Krankenwagen in dem für uns wegen anderen wahrscheinlich schwerer Verletzten aber ebenfalls kein Platz mehr war. Einige Polizisten haben uns und vier andere dann jedoch in ihrem Pick-Up, ich hinten mit unserem Hintermann aus dem Bus mit Verdacht auf Schädelbruch auf der Ladefläche, in die Notfallaufnahme gefahren. Etwa 1 Stunde und zwanzig Minuten nach dem Unfall. Soviel zur „sofortigen“ Verteilung der Verletzten. In der Notfallaufnahme, wurden unsere schmerzenden Stellen dann schon nach einer weiteren Stunde geröntgt, Martina hatte Prellungen, Schürfwunden, ein gebrochenes Schlüsselbein und ein blaugeschwollenes Ohr, sie wurde recht schnell in die Frauenchirugie verlegt. Ich saß noch geschlagene 7 Stunden mit Verdacht auf eine angebrochene Hüfte, angebrochenem linkem Handgelenk, mächtiger Torax-Prellung, Dreck und Splittern in der Hüfte in einem Rollstuhl in der Notaufnahme. Neben einer armen Peruanerin die im Bus hinter uns gesessen hatte, mit offenem Bruch am Arm, ohne Schmerzmittel, um die sich ebenfalls kein Schwein kümmerte.  Ihr musste im nach hinein, wie die Zeitung meldete, dann die Hand abgenommen werden. Wie wir am Folgetag erfahren haben war kein Arzt zugegen der die arme Frau und mich bei bestätigtem Verdacht hätte operieren können. Aber hin und wieder kam jemand, fragte nach meinem Namen, machte Al Qaida Anspielungen, fragte ob ich eine Bombe im Rucksack hätte und ging wieder. Irgendwann erbarmte sich ein Pfleger mir zumindest die Wunden zu säubern, er war schwul und fand mich sexy, dann bekam ich einen Gips für das Handgelenk und eine Spritze gegen die Schmerzen und nach mehrmaligem Nachfragen was denn nun mit mir passieren würde – den Entlassungsschein.
Zumindest hatte die Busfirma mir angeboten ein Hotel zu nehmen, was ich nach einem Besuch bei Martina auch tat. Am Folgetag humpelte ich morgens nochmal in das Hospital (nur 100m Entfernung), um Martina zu besuchen und da sah auf einmal alles ganz anders aus. Der deutsche Konsul war bereits seit einer Stunde vor Ort und Martina hatte ihn bereits über den gestrigen Tag und die seltsame Behandlung unterrichtet, das deutsche Außenministerium wusste bereits alles und auf einmal waren wir ganz wichtig. Zig Ärzte kamen vorbei und waren auf einmal sehr bekümmert, wollten auch nochmal genau wissen was ich habe und ob ich Medikamente bekommen hätte (nein!) u.s.w. Martina bekam sogar einen Gips und nun auch Schmerzmittel, die noch immer verdreckten Wunden mußten wir allerdings selbst (später im Hotel) behandeln. Die Busfirma wollte uns dann auch flugs in eine Privatklinik verlegen. Nach dem der Konsul und die Leute vom peruanischen Ministerio Publico dann gegangen waren, waren dann aber leider auch meine Röntgenbilder bis auf das meiner versorgten Hand auf einmal nicht mehr aufzufinden, husch, husch, Pfusch, vertusch – willkommen in Süd Amerika. Lange Rede kurzer Sinn wir hatten die Schnauze voll. Martina und mein Handgelenk waren versorgt, der Fakt das ich „gehen“ konnte und bei entsprechender Ruheposition keine Schmerzen verspührte nahm ich als Hinweis das sich der Verdacht mit der Hüfte nicht bestätigt hat und es ein weitere Prellung sei. Auch Martina hatte nach mehrmaligem bitten ihren Entlassungsschein bekommen, sodass wir uns wieder auf Busfirmenkosten in ein Hotel einquartieren konnten. Da sind wir nun und ruhen uns ein wenig aus. So wie es aussieht brauchen wir auch noch einige Zeit der Ruhe. In der Lage unsere Rucksäcke zu schleppen sind wir natürlich jedenfalls nicht gerade. Wir überlegen ob wir zum Erholen nochmal Richtung Norden ans Meer fahren oder uns in Huaraz in den Bergen einquartieren. Wenn dieser Blog-Eintrag erscheint sollten wir bereits unsere richtige Erholungsunterkunft erreicht haben und weiter genesen.
Nochmal, uns geht es nun soweit gut, wir sind versorgt, essen, trinken, schlafen, rauchen fleißig und amüsieren uns über unser früh-invalides Erscheinungsbild beim Zähneputzen und Aufstehen aus dem Bett. Die Reise jetzt abbrechen wollen wir jedenfalls ohne weitere Komplikationen nicht.
Scheiss Erlebnis, aber dabei auch mächtig Schwein gehabt. Alles wird gut.

  • Peru Ecuador Bus  Unser verhängnisvoller „Rutsch“ in das neue Jahr

Thema: Unterwegs | Kommentare (22) | Autor: Ahmed