Beitrags-Archiv für die Kategory 'Abschied'

Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?

Donnerstag, 4. März 2010 7:00

Jetzt sind wir tatsächlich schon über ein Jahr unterwegs. Eigentlich war der Plan schon längst wieder in Deutschland zu sein, fleißig Bewerbungen schreiben und gestärkt durch einen langen Urlaub für Körper und Geist, einen Wiedereinstieg in einen verbesserten, hochwertigeren Alltag zu vollziehen.

Haben wir das wirklich so geplant? Warum eigentlich? Was erwartet uns denn schon großes außer einer an einem Stab gebundene Möhre die uns vor den Karren gespannte Esel aufgebunden wird, die, egal wie schnell wir auch galoppieren stets im gleichen unerreichbaren Abstand lecker saftig vor unserem Maule baumeln wird?
Geld, ein künstliches und offensichtlich mittlerweile komplett entfesseltes Machtinstrument in privater Hand, ohne Rückkopplung an natürliche Ressourcen oder Wirtschaft, ohne Verfallsdatum und der Möglichkeit unendlich angehäuft zu werden. Ein wenig greifbares Papier und Münzen für das Volk aber zum Großteil nur virtuelle Bits und Bytes in den Kommunikationsnetzen der Banken. Trotzdem, in unseren Köpfen ist es als realer Wert zementiert. Wir wollen es, wir wollen viel, immer mehr davon. Augenscheinlich ermöglicht es jedem ein geordnetes Leben. Tatsächlich ist es die einzige Möglichkeit, um den global komplett aus jedem Verhältnis und Gleichgewicht geraten Besitzstand einiger weniger zu bewahren und über die Grenzen des natürlichen Ressourcen-Wachstums und -Verfalls hinaus mehren zu können. Als gäbe es unendliche Ressourcen, als würden wir ewig leben. Als gäbe es im Sarg ein Portemonnaie. Als könnte man Geld im Zweifelsfall tatsächlich essen.
Diese unsäglichen Illusionen und die daraus resultierenden global asozialen und Nachfolgegeneration aller Menschen missachtenden Verhaltensweisen der westlichen Zivilisation wurden uns vor allem in den armen Ländern zig-fach vor Augen gehalten. Zum einen durch die sichtbare Ausnutzung und Zerstörung der dortigen natürlichen Ressourcen inkl. Menschen. Zu Gunsten einiger weit weg sitzender, bei Lichte betrachtet in einer isolierten Traumwelt lebender Profiteure. Aber vor allem war es dadurch auffällig, dass solche „unendliches Wachstum“ Ansätze unter den ursprünglichen, quasi „Geld und Bank freien“ Völkern fehlten. Der Maßstab für menschliches Glück ist höchst individuell, wir sind uns jedoch sicher, dass das Bruttosozialprodukt nicht dafür taugt.

Nicht das das jetzt eine so große Überraschung oder etwas Neues für uns war. Wer hat nicht schon als „unbefleckter“ Teenager gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt protestiert? Wir haben schon zu Hause, und erneut nach einigen Erlebnissen in Asien beschlossen, bewusst die Augen von diesen Themen abzuwenden. Es ist jedoch eine Sache konditioniert „Daheim“ im gemachten Nest zu sitzen - mit durch Massenmedien, und Werbung weich gekochtem Gehirn - einerseits in ständiger Angst sein Einkommen zu verlieren und anderseits dem Bedürfnis zu konsumieren, ständig mehr zu wollen. Eine ganz andere Sache ist es, wenn mal tatsächlich weder fester Job oder großartig Geld vorhanden sind, man seinen Besitz auf dem Rücken trägt und Massenmedien nur homöopathisch konsultiert. Wenn man dann vor Ort sieht, was unser Wohlstand, unser wahrscheinlich arglos aber definitiv mit gierigen Hintergedanken zu Bank gebrachtes Geld über drei Ecken in aller Welt mit Mensch und Natur anrichtet. Wenn man auf Grund dieses neuen Status ebenfalls vor Ort mit darunter leidet, dass zerstört zwangsläufig den durch unseren physikalisch behüteten Alltag an trainierten Schutzschild unseres Gewissens und weckt neben Scham seiner selbst ein daraus resultierendes Bedürfnis zu helfen, es anders und besser zu machen.

Wir hatten ein Jahr, nichts dergleichen ist passiert. Das wir nun quasi unverrichteter Dinge wieder zurückkehren sollen, um uns erneut in eben diesen Sumpf mit all seinen internationalen Kausalitäten zu begeben, dass können wir uns zur Zeit noch nicht recht schön malen. Trotzdem, wir werden es schon bald müssen, wir können nicht anders. Als Teenager unterliegt man dem aktionistischen Glauben man wäre immens wichtig und könnte im Alleingang die Welt retten, man muss nur anfangen. Wir wissen jedoch, wir haben nichts dabei auf das die armen Länder dieser Welt gewartet hätten. Keine Lösung ihrer Probleme, kein außerordentliches Wissen, keinen Einfluss, nicht mal ausreichend Geld. Wir sind einfach weitere Touristen die Wasser predigen und Wein trinken. Wir kennen nur unsere paradoxe, Geld getriebene Wohlstandsgesellschaft. Wir sind und bleiben ein Teil davon. Sich darin erfolgreich (Paradoxien opportunistisch ausnutzend) zu bewegen, dass ist was wir gelernt haben, dass ist was wir können - worauf wir uns isoliert betrachtet sogar freuen weil es uns in unserem deutschen Mikrokosmos so „gut“ geht. Es ist schlicht das, was uns überhaupt erst diese Reise und so vieles mehr damit einhergehende ermöglicht hat.

Schade eigentlich, nimmt man landläufig nicht zunächst an, ein „Sabatical“ würde einer positiven geistigen Säuberung gleichkommen? Das einzige was bei uns gut gesäubert wurde, war der Glaube das sich Menschen gemeinschaftlich organisiert und langfristig aus ihrer kantschen „selbst verschuldeten Unmündigkeit“ befreien können, uns wie dargelegt nicht ausgenommen. Wir stolpern anscheinend lediglich von einer Unmündigkeit in die Nächste. Aber ist das nicht am Ende einfach das Leben? Und das Leben ist zumindest für uns zu kurz um es deswegen mit Groll gegenüber uns selbst zu füllen. Ein schwerer Unfall und eine Naturkatastrophe bei der Glück über Leben und Tod entscheiden haben, haben uns recht eindrucksvoll gezeigt wo im Zweifelsfall der Hammer hängt, bzw. liegt. Nicht in unseren bescheidenen Händen. Jeder Tag könnte der letzte sein, man sollte ihn auch so genießen. Auch keine Neuigkeit, aber selten hat das so viel Sinn gemacht wie im letzten Jahr. Wir wollen versuchen dieses Gefühl zu konservieren.

Woran wir uns außerdem mit Freude erinnern werden, woraus sich Kraft und Motivation für die Zukunft schöpfen lässt, ist die Schönheit der Erde. Dieser Planet ist voll von natürlichen Wundern, atemberaubenden Landschaften, wunderschönen und anmutigen Tieren… und eins steht fest, weil wir eben auch in Zukunft mehr davon erleben und sehen wollen, machen wir schon bald genau so weiter wie wir vor über einem Jahr aufgehört haben. Aber, in voller Akzeptanz unserer moralischen Scheinheiligkeit. So negativ es klingen mag, so ein große Erleichterung ist es. Als hätte man irgendwo gebeichtet.
Wir freuen uns!

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Thema: Abschied, Medien, Perspektiven, Unterwegs | Kommentare (2) | Autor: Ahmed

Abschließende Eindrücke und Auswürfe - Costa Ricas Karibik

Freitag, 20. November 2009 7:00

Costa Rica Cahuita  Abschließende Eindrücke und Auswürfe   Costa Ricas Karibik

Ich glaube ich bin gestorben und im Paradies – oder so ähnlich – erwacht.
So anders und in so vielen Fällen tatsächlich paradiesisch ist es hier in Cahuita, Costa Rica. Generell, und zu jedem Zeitpunkt ist z.B. die Luft hier erfüllt von einem sehr wohlklingenden Klangteppich. Meeresrauschen, Grillenzirpen, Froschgesänge und Gecko-Rufe, dass Rascheln in den Kronen der Palmen und Mandelbäume, hier und da Hundegebell oder Donnergrollen, leise auch mal live performte Reggaerhythmen aus dem „Cocos“… Das alles vereint sich hier nach Sonnenuntergang zu einer Kulisse von der man nicht Genug bekommen kann.
Im laufe des Tages wird man alle 3 Minuten daran erinnert das man hier bzgl. der Fauna an einem besonderen Ort ist. Schon früh morgens hört man die Brüllaffen. Ich weiß nun nicht ob das Brüllen der Brüllaffen zum Allgemeinwissen gehört. Sicher hat das Internet und Google eine Kostprobe davon. Es handelt sich um einen höchst befremdlichen Laut, mit einer sensationell animalischen Inbrunst vorgetragen.
Die Morgensonne ist der beste Zeitpunkt um Vögel an zu treffen. Es hat z.B. seine kleine aber ganz besondere Schönheit morgens bei dem aus dem Haus gehen, manchmal schon vom vom Balkon aus, spätestens aber im Garten einen Colibri begrüßen zu dürfen, der sich an großen roten und tatsächlich süß schmeckenden Blüten bedient. Wer sich die Zeit nehmen möchte, legt sich nochmal kurz in die Hängematte, lauscht und beobachtet. Es ist erstaunlich was sich schon im 5 Meter Radius um das Haus alles abspielt. So hatten wir z.B. von unserer Wohnung aus auf Augenhöhe, ein Faultier oder einen Tukan in einem Baum. Selbstverständlich gibt es hier auch zahlreiche „nicht so schöne“ Tiere wie flinke Schlangen, giftige Skorpione, Geier und verschiedene Handteller große Insekten. Ameisen überall, zahlreich und in allen Größen. Isoliert gesehen fast Angst einflößend, im Kontext jedoch stets wunderbares Detail.
Das Wetter hier lässt sich mit zwei Worten recht gut beschreiben. „Immer T-Shirt“. Je nach Jahreszeit ändert sich maßgeblich nur die Niederschlagsmenge und damit die Luftfeuchtigkeit. Fantastische Bedingungen für zahlreiche tropische Pflanzen, darunter viele essbare Früchte tragende. Zum Beispiel könnte ich jetzt einfach raus gehen und mir eine Kokosnuss von der Palme schneiden, mit dem Wasser meinen Durst stillen und ihr zartes und mild aromatisches Fleisch genießen. Nicht das ich das ständig tun würde, aber die Option zu haben ist klasse, zumal sich mit Kokosnuss hervorragend kochen lässt. Bananen - sowohl Plantagen, als auch wilde. So zahlreich das die hier Einheimischen ihrer überdrüssig sind. Ananas, Papaya, Melone und natürlich Zitrusfrüchte, aus der Region sind hier für wenig Geld zu bekommen. Das Gemüse kommt aus den unmittelbar an die Küste angrenzenden, kühleren Gebirgshängen und ist ebenfalls sehr gut und günstig.
Apropos Geld, wie bereits in früheren Einträgen beschrieben ist Costa Rica richtig teuer.  Beschäftigt man sich jedoch mit den Möglichkeiten der längerfristigen Alltagsorganisation, ist es durchaus Möglich mit 5-10 US$ täglich eine tolle Zeit zu verbringen. Inklusive guter Küche, „Residenz mit Meerblick“ und zahlreicher Aktivitäten im Nationalpark oder den sagenhaft schönen Karibikstränden. Alles in allem recht angenehme Rahmenbedingungen die vielen Menschen jeglicher Herkunft zusagen. Zum einen gibt es hier stets Touristen aus aller Welt, zum Anderen steht Costa Ricas Karibik Küste auf der amerikanischen „Retiree list of nice places to be“ weit oben. Dies sorgt dafür das Cahuitas Bewohner stets eine bunte englischsprachige Mischung an Menschen, Erfahrungen und Geschichten darstellen, die  einen schneller zu vereinnahmen vermag als einem lieb ist.
Cahuita ist trotz seiner geringen Größe, bzw. gerade deswegen, beseelt von interessanten, bewundernswerten aber auch zahlreichen tragischen Einzelschicksalen. Omnipräsent sind die „gefallenen Existenzen“, die einen Großteil des Tages damit verbringen, Touristen und Einheimische anzuschnorren.. Zum einen die Menschen die meist vorbelastet hier her gekommen und den vielfältig vorhandenen Drogen verfallen sind. Zum Anderen die einheimischen meist schwarzen Bewohner, die den gleichen Weg gegangen sind. Aber auch Helden des Alltags, ihr „Ding“ durchziehende Einwanderer, ewige Surfer. Außerdem Häuser ohne Besitzer, die Panama Lady, Roberto 1, 2 und 3, den stillen Strippenzieher, die alten Fischer Sippen und einen großen Boss. Hier lebt man nicht einfach so - anonym. Gute 2 Monate waren wir Teil einer karibischen Lindenstraße bei der die Cohen Brüder Regie führten. Dazu muss gesagt werden das hier Dinge passieren, die man nicht verstehen kann (soll). Es ist folglich besser die berühmte drei Affen Einstellung zu trainieren und bei Notwendigkeit zu leben. Die eigentliche Schwierigkeit ist dann noch zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt für diese so gar nicht mit unserer erlernten Grundeinstellung zusammenpassenden Maßnahme ist. Das muss man üben. Ich würde das mal das Süd-Amerika „Paradigma“ nennen „Das Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis, wobei die Praxis den Stellenwert des Primat inne hat“ - um’s mal ganz komliziert und hochgestochen auszudrücken Costa Rica Cahuita  Abschließende Eindrücke und Auswürfe   Costa Ricas Karibik
Moralische Dilemma, überall.  Hier gibt es z.B. eine Polizei. Diese ist maßgeblich damit beschäftigt den Strand nach Drogenpäckchen und auffälligen Personen abzusuchen. Das Gebiet hier um Lemon ist quasi Durchgangsstraße für den Drogen Schmuggel. Das finden eines Koka Päckchens und private Verhökern ist wie ein Lottogewinn für den Finder. Die Polizei wird hier alle 6 Monate ausgewechselt. Korruption ist an der Tagesordnung in allen Ausprägungen und Schichten der staatlichen Organe. Unter diesen Umständen wird bei uns, währen wir selig schlafen, eingebrochen. Martinas Tasche mit Pass, zwei Kreditkarten, Travellercheques, ca. 500 US$, ein Holzring, meine schmutzigen T-Shirts, meine Hose und Kappe werden gestohlen. Kammeras, Labtop, Handy, meine Papiere bleiben unberührt obwohl sie teilweise offen herumliegen. Nach dem man die Polizei eingeschaltet hat und einem klar wurde, dass aus den oben genannten Gründen exakt nichts passieren wird zumal es sich juristisch um eine Lapalie handelte, kommt nun ein Freund und fragt ob er uns helfen soll. Uns war klar das diese Hilfe nichts mit der Polizei zu tun haben wird. Aber wir konnten jede Hilfe gebrauchen, ein neuer Pass und eine Kreditkarte kosten z.Z. gute 200 US$ (unglaublich aber wahr), er versprach uns das diese Dinge wieder auftauchen würden. Einen Tag später findet die „Polizei“ Martinas Pass, die Karten, den Ring, meine Hose und Mütze in Martinas Tasche am Strand. Einen weiteren Tag später findet sich der „Täter“ mit verhältnismäßig übertriebenen Schnittverletzungen im Krankenhaus. Unser Vertrauen ins Umfeld ließ sich darauf hin erst mal gar nicht mehr finden. Doch solche Dinge geschehen hier mit einer erstaunlichen Selbstverständlichkeit und verändern den Alltag nur unwesentlich. Unser Nachbar, ein mit uns hier angekommener Amerikaner, der unter anderem über 20 Jahre in Berlin gelebt hat und nun hier nach einem Grundstück für den Lebensabend mit Frau suchte, hat sein Ziel hier nach einem Monat zunächst auf Eis gelegt. Ich halte das für ein wenig übertrieben. Im Grunde könnte man hier ungestört leben würde einfach auf die Zurschaustellung von Wertgegenständen verzichten werden. Und das ist hier ein leichte Übung. Kein Mensch braucht hier „unsere“ Geld implizierenden Statussymbole, auch wir nicht, selbst der Dieb hat sie nicht mitgenommen. Und zu akzeptieren das Zentralamerika nicht explizit auf einen persönlich gewartet hat um ein „besserer“ Platz zu werden, sollte ebenfalls eine leichte Übung sein. Im Gegenteil, mit unseren Maßstäben hier zu agieren macht einen nicht nur zur Zielscheibe der offensichtlich Kriminellen, sondern auch der einheimischen Bevölkerung und den offiziellen Stellen – gar nicht mal so ungefährlich.
Nun, wie passt das in unser Paradies? Genauso wie die Ameisen. Isoliert gesehen gar nicht, aber gut im Gesamtbild. Vor allem im Kontext das die hiesigen moralischen Irrungen, Wirrungen und Verbindungen nicht nur im kriminellen Sinne zu Tage treten sondern eben auch positiv bei positiv belegten Gegebenheiten wie dem Hausbau, einer Existenz- oder Schul- bzw. Bildungszentrumsgründung wirken. Die „Heiligt der Zweck die Mittel“-Frage wird einfach mal ganz praxisnah mit dem Süd-Amerika Paradigma weg ignoriert, moralisch kann man sich ein wenig damit entlasten das man das Limit seines Handlungsspielraums erreicht hatte. Unserer Begeisterung für den Ort Cahuita, Costa Rica hat diese Episode jedenfalls nicht nachhaltig beschädigt. Machen wir uns nix vor, dass war bestenfalls ein Vorgeschmack auf die Länder die wir noch auf diesem Kontinent besuchen werden. Bleibt zu sagen das Costa Ricas definitiv eines der Länder ist, in denen man ein wenig mehr Zeit verbringen sollte. Gut bezahlte Arbeit (Knowledge Worker) lässt sich leider nur in San Jose finden.

Nun denn, das nächste mal wenn wir uns hier treffen, sind wir bereits in Panama.
Hasta luego!

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Thema: Abschied, Perspektiven, Unterwegs | Kommentare (2) | Autor: Ahmed

Was!? Schon drei Monate unterwegs?

Mittwoch, 22. April 2009 15:15

Tatsächlich. Nunmehr drei Monate sind seit Beginn unseres Schulausfluges vergangen und wir haben das Kapitel Südostasien damit quasi abgeschlossen. Aus der das-Glas-ist-bald-halb-leer Perspektive ist das unheimlich schade, da dies bereits ein Viertel der geplanten Zeit ist. Andererseits können wir uns beide an keine drei Monate unseres bisherigen Lebens erinnern die so konzentriert neues, beeindruckendes, sehenswertes aber auch bedrückendes und erschreckendes mit sich gebracht haben. Uns kommt es so vor als wären wir ob der Fülle der Einrücke schon ein ganzes Jahr unterwegs. Eindrücke nicht aus TV oder in anderen Medien die durch die x-te Hand beeinflusst wurden, sondern live erlebte. Das Hirn und die Sinne arbeiten hier auf positiv prickelnde Art und Weise auf Hochtouren. Die Lernkurve wie man sich den verschiedenen Umständen und den dabei zu Tage tretenden Kontrasten und Problemen am besten anpasst war diesbezüglich enorm steil. Sicher kann man auch ohne diese Erfahrungen einfach so sein, aber nun, da wir die seelisch sehr wohlschmeckende Frucht der „unabhängigen intensiven Langzeitreise“ gekostet haben, wissen wir dass wir bis zum Begin der Reise etwas sehr fundamentales neben dem Aspekt der vielfältigen natürlichen Schönheit dieser Erde verpasst haben. Zum einen hautnah mitzuerleben wie sich die große Mehrheit von Menschen jenseits unserer westlichen Realität organisiert, anpasst, sich trotz aller Widrigkeiten zurechtfindet und dabei häufig viel glücklicher wirkt als wir es waren. Zum anderen das Gefühl sich weitestgehend vollständig frei zu fühlen und auch so zu handeln. Das dieses Gefühl natürlich in doppeltem Sinne nur auf Grund unseres bisherigen mehr oder weniger selbst gewählten Lebenswandels (berufliches, äußerst unfreies Rat-Race und entsprechende finanzieller Vergütung die hier richtig richtig viel Geld darstellt) möglich ist, ist uns dabei vollkommen klar.
Natürlich hatten wir innerhalb dieses Rahmens den einen oder anderen romantischen Ausstiegsgedanken. Aber schon zwei Minuten später wieder verworfen, da - machen wir uns nix vor - dieser mit unseren finanziellen Mittel sehr wahrscheinlich endgültig wäre. Denn sobald man in die Spirale der lokalen Währung gerät, dass heißt die lokale Währung nach lokalen Maßstäben und Lohnniveau (Südostasien besteht fast ausschließlich aus Low Cost Countries) verdient, hat sich das mit dem Reisen sehr wahrscheinlich und das mit der Freiheit garantiert ein für alle mal erledigt. Zwar sehen wir, wie oben kurz angesprochen, hier trotz aller Widrigkeiten Tag täglich richtig glückliche und zufriedene Menschen, jedoch verschließt sich uns der Zugang zu diesem Glück, dass maßgeblich auf simplen tief verwurzelten Familienwerten beruht. Unser emotionales Fundament, antrainiert durch westliche, aufgeklärte Wohlstandssozialisation, auf Basis von ständigem materiellem Wettbewerb und Selbstverwirklichung, wurde durch diese drei Monate jedenfalls nicht erschüttert. Wir könnten  uns mit diesem „simplen“ Glück nicht zufrieden geben. Wir wissen (noch) nicht ob das für uns  persönlich gut oder schlecht ist. Wir wissen nur, dass weder unsere bisherige Wertevorstellung, noch die hier erlebte uns jede für sich alleine zufrieden stellen würde. Die wahrscheinlichste, geradezu trivial klingende Möglichkeit wird es sein eine Balance zwischen den zwei Aspekten zu leben.
Nach den ersten drei Monaten hier würden wir uns mit folgendem Zustand wohl in (recht opportuner) Balance befinden: Eine Arbeit und Lebensmittelpunkt im westlichen Wohlstand und so oft es geht das Geld was dort verdient wurde in Südostasien ausgeben. Irgendwann wenn es sich ausgearbeitet hat, evtl. den Lebensmittelpunkt vollständig nach Südostasien verlegen.
Hoppla. Das ist ja mal was gaaaaaanz Neues! Vietnam Thailand Malaysia Kambodscha Indonesien  Was!? Schon drei Monate unterwegs?

Na ja, genug geschwafelt. Wir haben noch drei Viertel der Zeit und mehrere Kontinente vor uns. Das nächste mal wenn wir hier berichten wird dies aus Down Under sein. High Cost Country - Hurra!?

  • Vietnam Thailand Malaysia Kambodscha Indonesien  Was!? Schon drei Monate unterwegs?

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Abschied von Kho Phi Phi – Letzte Eindrücke und Auswürfe

Freitag, 20. März 2009 3:20

Nach nunmehr zwei Wochen echtem „Traumurlaub” auf dieser fantastischen Insel, haben wir schweren Herzens beschlossen, uns weiter nach Malaysia zu bewegen - genauer gesagt für einige Tage nach Langkawi, bevor wir erneut einen weiteren Großstadtdschungel in Augenschein nehmen werden: Kuala Lumpur.

Nun sitze ich hier wie so häufig am Morgen in den letzten Tagen in D’s Book Shop mitten im Zentrum von Phi Phi Town, es ist bereits jetzt gute 26 Grad warm, und die ewig gleiche (einzige?) aber angenehme Jazz CD rotiert im HiFi und vermischt sich mit dem (verbrennungsmotorfreien) Geräuschen der Straße. Ich trinke einen Kaffee Latte, schaue mir die Leute an die hier recht entspannt barfüßig oder in Flip-Flops vorbeischlappen und schlurfen, und frage mich „Was ist hängen geblieben? Warum schweren Herzens?”.

Klar! Bei der Kulisse, wer würde da nicht gerne länger bleiben. Scheint hier die nächstliegende Antwort zu sein. Aber das war es nicht alleine, zumal wir eben nicht in einem Sterne Ressort oder einer Bungalowanlage residierten, sondern unseren Wünschen und Budget entsprechend in einem schlichten aber funktionalen Zimmer, nur mit Ventilator und Kaltwasserdusche, ohne Klimaanlage, Kühlschrank, TV und jeglichem anderen Komfort bzw. für diese Insel überdimensionierter Schnick-Schnack.

Zuallererst war es hier durch die Dauer des Aufenthaltes und der übersichtlichen Größe der Insel schnell möglich Menschen kennen zu lernen. Nicht die zahlreichen auch nach „größeren” small-talks namen- und gesichtslosen Touristen, die i.d.R. gerade hier nicht so sind wie sie sonst sind, sondern eher im karnevalsähnlichen Ausnahmezustand. Kennen gelernt haben wir einige Bewohner der Insel. Menschen die hier geboren sind, seit Jahrzenten hier leben, hier arbeiten und einen Alltag haben. Ein Tattoo Studio, Lederwarenladen, Restaurant, eine Bar oder ein Guesthouse betreibend oder betreuend.

All diese Menschen schienen eines gemeinsam zu haben, eine ausgesprochen ansteckende Ruhe. Ich weiß noch genau wie ich mich am ersten Tag geradezu störend aufgedreht fühlte. Ständig interessiert an der Uhrzeit, viel zu schnell redend, dauernd in Bewegung. Nun, schon nach kürzester Zeit bemerkten wir, das egal welche Uhr wir an einer Wand hängen sahen, sie alle verschiedene Uhrzeiten anzeigten. Nicht fünf Minuten Unterschied, nein die Zeit war mehr oder minder willkürlich eingestellt. An einer Uhr, war es halb zwei, zehn Meter weiter war es kurz vor sechs und wieder zehn Meter weiter Punkt zehn - und zwar immer, diese eine Uhr stand einfach still. Also legten auch wir unsere Uhren ab. Der Effekt war grandios. Wir lauschten einfach nur noch unserer inneren Uhr. Wir gingen zu Bett, wenn es „Zeit” dafür war, und wachten absolut ausgeschlafen dann auf, wenn unser Körper das für richtig hielt. Das hieß nicht das wir geschlafen haben bis mittags um zwölf. In der Regel waren wir nachts zwischen elf und ein Uhr im Bett und wachten zwischen acht und neun Uhr morgens auf - wie sich herausstellte. Wir kauften frisch ein und aßen wenn wir Hunger hatten, wir schwammen im Meer oder liefen wenn wir uns bewegen wollten, wir lagen einfach nur im Schatten wenn wir liegen wollten. Dieser recht ursprüngliche Lebenswandel, mit viel Bewegung, viel Schlaf und viel nachdenken beim täglichen kräftigen Gewitter am Abend, ließ uns sehr bald sehr ruhig werden - im positivsten Sinne. Gerade jetzt während ich diese Zeilen schreibe fühle ich mich rundum so richtig wohl. Man fokussiert sich sich auf sich selbst und sein nächstes Umfeld. Viele der Ereignisse die einen sonst täglich schon beim lesen der Nachrichten ins Unglück stürzen sind jetzt tatsächlich so weit weg, wie sie es de facto nun mal sind: Zu weit weg um irgendwie Einfluss darauf zu haben. Hier ist mir zum ersten mal richtig klar geworden das ich gerade völlig frei von beruflicher Hackordnung bin. Nun, machen wir uns nichts vor, die gesellschaftliche Hackordnung lässt sich nicht ausblenden, auch hier nicht - aber man rutscht hier fast automatisch in eine zurückhaltende Beobachter-Position. Kein Gedanke bleibt dabei auf der Strecke. Man denkt hier vieles was einen gerade beschäftigt einfach zu Ende und lässt es dann auf sich beruhen. Kein abendliches Zähneputzen mit unbeantworteten Fragen des durchexerzierten Tages, keine großen Sorgen mehr. Einfach müde, satt und zufrieden einschlafen und sehen was der nächste Tag bringt. Leben im „jetzt” und vor allem im „hier”. Ich hatte noch nie so etwas wie eine Kur - aber ich würde sagen die Zeit hier war eine. Vor allem die Gewissheit die Dauer dieser Kur selbst bestimmen zu können, wirkte ausgesprochen befreiend.

Wie sehr dabei Körper und Geist voneinander abhängen wurde mir ebenfalls deutlich vor Augen geführt. Ich hatte seit Ende 2008 einen Hautausschlag, von dem ich angenommen habe, dass er psychosomatisch bedingt war. Ich war mir sicher, sobald ich gekündigt habe wird es bessere. Das wurde es nicht. Tatsächlich war er in Phnom Penh immer noch da. Zwei Wochen hier, und nichts davon ist übrig. Einfach verschwunden. Ohne Medikation im wörtlichen Sinne.

 Eines ist gewiss, dass war nicht unser letzter Aufenthalt in dieser Ecke Thailands. Und da wir nicht wegen Visa Problemen mit unserem bereits verlängerten Visa auf die schwarze Liste wollen (gibt’s wirklich), müssen wir leider jetzt auch schon weg.

  • Thailand Kho Phi Phi  Abschied von Kho Phi Phi – Letzte Eindrücke und Auswürfe

Thema: Abschied, Perspektiven, Unterwegs | Kommentare (8) | Autor: Ahmed

Vietnam – Abschließende Eindrücke und Auswürfe

Dienstag, 24. Februar 2009 5:20

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Zusammenfassung:

Vietnam kann ich persönlich jedem uneingeschränkt weiter empfehlen, der mindesten drei der vier folgende Sätze ohne langes nachdenken bejahen kann:

  • Eigeninitiative empfinde ich nicht mühevoll und stressig sondern als identitäts- und sinnstiftend
  • Der Begriff „Qualität” ist für mich situationsbedingt und muss differenziert benutzt werden
  • Wenn ich Preise nicht in Frage stelle und ggf. nachverhandle zahle ich eindeutig zu viel
  • Stress der mich nicht betrifft und Lärm anderer Menschen kann ich nach kurzer Zeit einfach ausblenden

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Vietnam ist ein Land der Gegensätze. In nahezu allen Belangen. Tradition trifft auf Moderne, Sozialismus auf Marktwirtschaft, Bambushütten auf Hochtechnologie, alt auf jung, arm auf reich. Das Spannungsfeld was sich hierbei jeweils auftut, scheint im Zeitraffer durchschritten zu werden. Als hätten die Vietnamesen die Gabe, sich mit allen Hindernissen irgendwie besonders schnell arrangieren zu können. Vietnam ist dem entsprechend eine aufstrebende Nation (ca. 85 Mio. Einwohner) mit einem unglaublichen Bevölkerungswachstum, das Durchschnittsalter im Mekong Gebiet beträgt beispielsweise gerade mal 26 Jahre. Und das liegt nicht daran das dort früh gestorben wird (Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall), sondern einzig an der Vermehrungsfreudigkeit der Einwohner.

Es hat jedoch den Anschein das Vietnam über keine sogenannte Mittelschicht verfügt. Die meisten Menschen bewegen sich zwischen sehr arm und arm. Einige wenige zwischen reich und sehr reich. Ein eindeutiges Zeichen lässt sich diesbezüglich in den Metropolen Hanoi oder Saigon beobachten. Zwischen den endlosen Massen an Mofas und Fahrrädern, die das typische Straßenbild prägen, entdeckt man immer wieder von Vietnamesen gefahrene luxuriöse Statussymbole wie Porsche Cayenne, Mercedes AMG, BMW X6 oder gar einen Lamborghini. Ich weiß nicht wie die sehr reichen zu dem gekommen sind was sie heute besitzen. Nahe liegend sind Mobilfunk, Textilien für den Westen, Karaoke Zubehör und Tourismus. Oder aber das Erbe des sich in Auflösung befindlichen politischen Regimes. Die Länder in denen der Sozialismus mehr oder weniger nur noch auf dem Papier (Zeitungen) existiert, scheinen jedenfalls alle an den gleichen „Symptomen” zu leiden: Turbokapitalismus für einige, Hungertuch für die Masse - aber immerhin mit der theoretischen Option auch mal viel Geld verdienen zu können…

Bildung gibt es bis zu einem Grundniveau gratis, alles weiter kostet jedoch viel Geld, sodass für die meisten Vietnamesen ein Abitur oder eine Hochschule unerreichbar ist. Ähnliches gilt bei der Gesundheitsfürsorge. Gute Zähne und ein für unserer Augen „schönes” Lächeln, sind in Vietnam eher selten. Trotz dieser Widrigkeiten scheinen sie den augenscheinlich „reichen” Touristen nicht zu verachten, oder gar zu hassen (bis auf einige Bergdörfer im Norden). Tourismus wird, um ihn anzukurbeln (zu kontrollieren?), sogar staatlich gefördert.

In der Mentalität lässt sich durch die jüngere Geschichte bedingt ein gewisses Nord-Süd Gefälle bemerken. Sind die Menschen im Norden noch reservierter so begegnet man einem im Süden etwas herzlicher, jedoch auch verstärkt mit dem Hintergedanken das sich nicht etwas Geld aus dem Touristen herausschlagen lassen könnte. Jegliche Preise verdoppeln sich sofort, sobald man der Sprache nicht mächtig ist.

Die Jugend in Vietnam ist hungrig nach Technologien wie dem Internet und seinen (Spiele)Möglichkeiten. Mobile Kommunikation in all ihren Ausprägungen mit modernstem Equipment noch in den entlegensten Gegenden des Landes lassen einige westliche Länder „alt” aussehen. Wer einen Job hat, hat ein fanzy Handy und zuhause neben dem TV eine Karaokemachine - bei einer Arbeitslosenquote von ca. 2%. Funk-Technologie ist in Vietnam zweifelsohne bereits jetzt das Rückgrat der Kommunikation. Allerdings blieb dem Land auch wenig anderes übrig, denn für weitere Kabel ist einfach kein Platz mehr. Bereits jetzt sind die Städte mit einem Netz aus zigtausend Kilometer Freiluftkabel geschmückt, deren Zuverlässigkeit nicht die höchste sein dürfte.

Zurück zur Tradition, die für viele junge Vietnamesen ebenfalls sehr wichtig ist. Heiraten und Kinder bekommen ist nach wie vor das große Ziel und ein absolut erfüllender Lebensinhalt. Dabei ist es der Mann der für sämtliche Kosten und den Unterhalt der Freundin aufkommen muss - bis die  beiden verheiratet sind. Ich weiß nicht genau was danach (außer erfolgreichem Kinder machen) hinter verschlossenen Türen passiert, auffällig war für mich jedoch, dass die vietnamesischen Frauen allesamt ausgesprochen geschäftstüchtig waren. Sie machen die Preise und führen die Verhandlungen während sich die Männer weitestgehend zurückhielten. Ein junger Mann in Hanoi, hat einmal Martina Geld zurückgegeben, das sie ihm zu viel gegeben hatte weil sie ihn beim Preis erfragen falsch verstanden hat. Darauf hin wurden wir Zeuge einer für diesen armen Kerl wahrscheinlich sehr unangenehmen Beschimpfung durch die Frau des Nachbarstandes. Die einzige Männerdomäne scheint alles rund um den Verbrennungsmotor zu sein. Machinenbau, -bedienung und -wartung, hier und bei der Personenbeförderung dürfen sich die Männer die Finger schmutzig machen. Möchte man sich jedoch ein Mofa ausleihen, kommt man wiederum nicht an der Frau des Hauses vorbei.

Apropos Verhandlungen. Mir war nicht klar was der sehr weit verbreitete und recht paradoxe Spruch „same same - but different” zu bedeuten hat, der es auf T-Shirts getragen mittlerweile einmal um die Welt geschafft haben dürfte. „Same same” ist DER Standartspruch in einer Verhandlung, der ausdrücken soll, dass die Leistung (Transport, Zimmer, Essen, Ausstattung , Kondition jeglicher Couleur,…) die man gerade erfragt das gleiche beinhaltet wie das Angebot das man von einem anderen Anbieter hat, bzw. das man sich ad hoc ausgedacht hat, um eine Wettbewerber vorzutäuschen weil der erste Preis unrealistisch ist. Fakt ist: Es war niemals „same”. Nie! Egal wie vertrauenerweckend die Person schien die nicht müde wurde „same same” zu wiederholen.Die erworbene Leistung war für uns stets „different” als vorher ausgemacht - leider im negativen Sinne und somit ein Enttäuschung. Da man den  „same same” Situationen jedoch nicht entkommen kann wenn man einmal das Verhandlungsgebaren und den fantasievollen „ersten Preis” der Vietnamesen (der  übrigens definitiv ebenfalls ein „different” Ergebnis zur Folge hätte) durchschaut hat, blieb uns nichts weiter übrig als die ganze „same same” Gepflogenheit mit Humor und Ironie zu sehen. Ich denke das ist generell eine gute Reaktion auf ein Paradoxie. So erklärt sich wahrscheinlich auch der Erfolg des T-Shirts „same same - but different” das hier in Vietnam häufiger bei Touristen zu sehen war. Sie scheinen unmissverständlich signalisieren zu wollen „same same - schon klar, mach halt einen realistischen Preis und gut is”.

Nun zum Essen. Das Essen in Vietnam ist fantastisch. Weniger würzig und scharf als in Thailand aber intensiver am Gaumen als in Japan, haben viele Speisen einen sehr feinen und trotzdem wohl differenzierten Geschmack. Die Basis stellt fast immer Reis und Gemüse dar. Reis, Reisnudeln, Reissuppe, Reispapier, Reis…Schleim(?) - gekocht, gebraten, geröstet oder umgedreht. Dazu kommen Sojabohnen, Pfefferminzblätter, Spinatblätter, kleine Salatblätter, Kohl und ggf. noch weiteres Gemüse, das wir jedoch nicht identifizieren konnten. Dazu gibt es verschieden Saucen. Chilli süß sauer, Squid-Souce (fischig süß) mit oder ohne Knoblauch, Sojasauce und der gleichen. Für die meisten Vietnamesen bleibt es dann auch dabei, da Fleisch Luxus ist den man eben nicht jeden Tag hat. Eventuell ein Ei dazu, aber häufiger kommt Tofu zum Einsatz, den man mit entsprechenden Saucen zu echtem Soulfood (wie z.B. Spare Ribs - kein Fleisch drann, aber viel Geschmack drumherum) aufwerten kann. Wenn es Fleisch gibt so wird es in der Regel gegrillt, gebraten oder in der „besseren” Ausführung paniert. Vom  geschlachteten Tier wird so ziemlich alles verwendet. So kann man auf Märkten Stände finden, die das Verkaufen was bei uns in Deutschland bestenfalls als Hundefutter Verwendung findet. Im Zweifelsfall auch selbigen Hund. Ich finde das persönlich weder verwerflich noch anstößig. Tatsächlich empfinde ich die Doppelmoral mit der viele westliche Touristen auf das vietnamesische Fleischangebot reagieren und das lauthals, teils aggressiv,  den Einheimischen verkünden verwerflich und anstößig. Ich erinnere mich da an eine Australierin, fett wie 5 Vietnamesen… Rind, Schwein, Fisch, Huhn, Ente in Unmengen in sich rein schaufelnd… aber als ihr ein vietnamesischer Bub zeigen wollte wo es Hund zu kaufen gibt… ich nehme an, er dachte sich in einem durchaus logischen Schluss, dass das Monsterweib liebend gerne auch noch viel  Hund essen würde Vietnam Reisebericht  Vietnam – Abschließende Eindrücke und Auswürfe

Nun, wir jedenfalls haben fast ausschließlich an der Straße gegessen und getrunken. Obst, Fleisch, Gemüse, alle Sorten von Beilagen. Es war ausnahmslos alles sehr lecker. Wir haben einfach das bestellt was gut gerochen und ausgesehen hat. Je mehr Einheimische dort gegessen haben umso größer war das Bedürfnis es ihnen gleichzutun. Wir wussten zwar nicht immer genau was es war (gerade bei den panierten Dingen) aber wir leben noch, sind wohl genährt und hatten keine einzige Magenverstimmung oder ähnliches. Die Prämisse die wir uns gesetzt haben war: Nicht viel fragen, sondern mindestens einmal ein wenig probieren.

Neben der kulinarischen (Reis)Vielfalt ist mir vor allem die geografische Vielfalt sehr positiv in Erinnerung geblieben Von Bergwandern, über Dschungeltouren bis Sandstrand unter Palmen hat Vietnam sicher für jeden Geschmack und die damit verbunden Ansprüchen etwas zu bieten. Ich denke das die Bilder des Blogs zum Thema Vietnam diesbezüglich recht aussagekräftig sind. Auch Fauna und Flora bietet für gute Beobachter täglich faszinierende Entdeckungen. Für Photographen ein Schlaraffenland! Mir hat die Zeit in Vietnam ausgesprochen gut gefallen und ich bin dankbar für das was ich hier erleben durfte. Ich bin außerdem froh genau zu diesem Zeitpunkt hier gewesen zu sein, wo Pauschalreisen noch die absolute Ausnahme sind. Ich denke, dass dieses Land schon in 10 Jahren (unter Berücksichtigung des Tempos in dem hier Dinge passieren eher 5 Jahre) kaum wieder zuerkennen sein wird. Speziell um die UNESCO „zertifizierten” Sehenswürdigkeiten wird der Massentourismus und die geradezu dramatische Umweltverschmutzung das zerstören, was man heute noch als liebenswert erleben kann.

Die Kosten für drei mit Aktivität voll gepackte Wochen beliefen sich pro Nase auf ca.600€ (ohne Flug). Dazu sei gesagt, dass wir bewusst nicht die günstigsten Alternativen bzgl. der Hotel/Hostel Zimmer gewählt haben.Wer hier zu weiteren Kompromissen bereit ist (und evtl. nicht so viel Bier und Cola  trinkt wie wir) kommt ohne weiteres mit weit unter 500€ zurecht.

  • Vietnam Reisebericht  Vietnam – Abschließende Eindrücke und Auswürfe

Thema: Abschied, Unterwegs | Kommentare (4) | Autor: Ahmed